Gasteiner und Pago nicht Kerngeschäft

17. September 2003, 16:13
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Der Bierriese Heineken lässt sich bei der alkoholfreien BBAG-Sparte alle Optionen offen - Über Verkauf oder Integration wird nachgedacht

Amsterdam - Weiter offen ist für den Bierriesen Heineken, ob die alkoholfreie Sparte - Pago Fruchtsäfte und Gasteiner Mineralwasser - der im Mai erworbenen österreichischen BBAG verkauft oder integriert wird. "Nichts ist entschieden, beides ist möglich", sagte Thony Ruys, der Chef des niederländischen Bierkonzerns bei der Halbjahrespressekonferenz am Mittwoch in Amsterdam. "Ich betone aber, es gehört nicht zum Kerngeschäft." Die BBAG hatte Verkaufspläne bis dato stets bestritten.

Keine Deadline

Auf eine Deadline für eine Entscheidung wollte sich Ruys auf STANDARD-Anfrage nicht festlegen. "Die Geschäfte haben sich etwa bei Pago verbessert, es gibt keinen Grund, gleich zu verkaufen." Brauereischließungen in Österreich schließt Ruys derzeit aus.

Auch die starken österreichischen Marken würden nicht verschwinden, die schwächeren müsse man sich immer anschauen. Man werde aber nicht mit aller Kraft die internationale Marke Heineken in den Markt drücken, "wir sind doch nicht verrückt", so der Chef des weltweit drittgrößten Braukonzerns. Die BBAG - künftig: Brau Union AG - bekommt in der Heineken-Gruppe zu den derzeit fünf Verantwortungsgebieten vier dazu: Derzeit sind die Linzer für Österreich, Polen, Tschechien, Ungarn und Rumänien verantwortlich, künftig auch für Kroatien, die Slowakei, Mazedonien und Bulgarien. Weitere osteuropäische Märkte könnten folgen. In Kroatien erwarb Heineken vor kurzem die Brauerei Karlovacko pivo.

Wien statt Linz

Ruys bestätigte, dass das internationale Geschäft von Wien aus gesteuert werden wird, nicht mehr von Linz. Das Synergiepotenzial zwischen Heineken und den Österreichern beziffert Finanzchef René Hooft Graafland mit 80 Mio. Euro, die Hälfte davon aus der Integration der Aktivitäten in Polen und Ungarn. Ob dabei Brauereien geschlossen werden sollen, sei offen. Die Übernahme des heimischen Konzerns soll laut Ruys bis Ende Oktober abgeschlossen sein. Heineken halte derzeit mindestens 80 Prozent der Anteile der GeBAG, der Holding, in die die BBAG-Kernaktionäre ihre Aktien eingebracht haben. An die Kleinaktionäre von BBAG und Brau Union wurden Angebote gemacht - 124 und 127 € je Aktie.

Der Gesamtkonzern legte bei Umsatz und Bierausstoß im ersten Halbjahr 2003 zwar zu, der starke Euro ließ die Gewinne aber nicht mitwachsen. Der Nettoerlös stieg um sechs Prozent auf 4,6 Mrd. Euro, der Ausstoß um neun Prozent auf 45,3 Mio. Hektoliter. Der Nettoprofit ohne Einmaleffekte stieg nur um ein Prozent auf 334 Mio. €. Heineken hatte im Juni eine entsprechende Gewinnwarnung veröffentlicht. (Leo Szemeliker, DER STANDARD Print-Ausgabe, 11.9.2003)

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    montage: derstandard.at
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