Ein Drittel der Serben erwartet Verschlechterung des Lebensstandards

9. September 2003, 10:29
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Umfrage: Zwei Drittel der Befragten würden vorgezogene Parlamentswahlen unterstützen

Belgrad - Die serbische Bevölkerung bewertet die Behörden des Landes immer schlechter. Eine Meinungsumfrage, die Ende Juli in Serbien durchgeführt und am Montag präsentiert wurde, zeigte, dass 48 Prozent der Bürger Serbiens die Entwicklung des Landes als schlecht einschätzen. Etwa ein Drittel der Befragten (35 Prozent) halten die Richtung der Entwicklung für richtig. Sogar zwei Drittel der Befragten würde demnach vorgezogene Parlamentswahlen unterstützen.

Der Leiter der Meinungsforschungsagentur Strategic Marketing, Srdjan Bogosavljevic, erklärte, dass es sich um die schlechtesten Noten für die Landesentwicklung seit der Wende im Oktober 2000 handle. Dass der Pessimismus im Steigen ist, zeige auch ein weiteres Ergebnis. Rund 30 Prozent erwarten, dass sich ihr Lebensstandard in den kommenden sechs Monaten verschlechtern wird. Knapp ein Viertel (24 Prozent) der Befragten hoffen auf eine Besserung.

Die Bürger Serbiens haben keine Schwierigkeiten, die Hauptprobleme des Landes aufzuzählen - Arbeitslosigkeit, Korruption, Lebensstandard, Wirtschaftslage, Kosovo, politische Konflikte werden übereinstimmend genannt. Wenn es jedoch um die Erfolge geht, so scheint die Situation schwieriger. Die Stabilität der Landeswährung Dinar ist eines der Erfolge, auf die fast alle Befragten hingewiesen haben.

Bogosavljevic verglich die Stimmung in der Gesellschaft mit jener im Herbst 1999. Damals hatte sich die Mehrheit der Bevölkerung eine neue politische Kraft gewünscht. Die wachsende Unzufriedenheit dürfte nach Ansicht von Bogosavljevic der Opposition ein günstiges Terrain bieten, sie für eigene Zwecke zu nutzen. Von der Opposition angeführte massive Straßenrevolten erwarte er aber nicht. Dafür sei die Unzufriedenheit nicht groß genug.

Auf einen anderen Aspekt wies indes ein der Belgrader Meinungsforscher Srecko Mihajlovic hin. Er erklärte gegenüber dem Belgrader Sender "B-92", dass gleichzeitig zur Enttäuschung über die derzeit regierenden Politiker und Machtinstitutionen erneut der Wunsch nach einem starken Führer zunimmt, der alle Probleme zu lösen vermag. In der Vergangenheit seien solche Führer für Serbien allerdings immer verhängnisvoll gewesen, warnte Mihajlovic.

Die Umfrage von Strategic Marketing legte außerdem zu Tage, dass die Demokratische Partei Serbiens (Vojislav Kostunica), die von 20 Prozent der Befragten unterstützt wird, erneut die führende Partei ist. Ihr folgt die Demokratische Partei (Zoran Zivkovic) und die Expertenpartei G-17plus mit jeweils 15 Prozent in den Umfragen. An vierter Stelle befindet sich die ultranationalistische Radikale Partei von Vojislav Seselj mit 7,5 Prozent Anhänger. (APA)

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