US-Arbeitsmarkt trotz Konjunkturerholung weiter schwach

10. September 2003, 17:47
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Beschäftigtenzahlen im August überraschend gesunken, massiver Stellenabbau

Washington - Die zunehmende konjunkturelle Belebung in den USA bleibt weiterhin ohne spürbare Impulse auf den Arbeitsmarkt. Im August ging die Zahl der Beschäftigten in der weltgrößten Volkswirtschaft entgegen den Expertenprognosen deutlich zurück.

Analysten sehen wachsende Gefahren, dass die angespannte Beschäftigungssituation den Konsum drosselt und damit die erhoffte Wachstumsbeschleunigung bremst. An den Finanzmärkten reagierten die Anleger am Freitag enttäuscht auf die schwächer als erwartet ausgefallenen Daten. Die US-Aktienfutures rutschten ebenso wie der Deutsche Aktienindex (DAX) tiefer ins Minus. Auch der Dollar gab zum Euro kräftig nach.

Landwirtschaft verliert Jobs

Nach Angaben des Arbeitsministeriums in Washington verringerte sich die Stellenzahl außerhalb der Landwirtschaft im vergangenen Monat um 93.000 nach einem Minus von revidiert 49.000 im Vormonat. Den Einfluss des größten Stromausfalls in der Geschichte Nordamerikas Mitte August bezeichnete das Ministerium als gering. Analysten hatten demgegenüber im Schnitt mit einem Zuwachs von 12.000 Stellen gerechnet. Unter anderem überraschend starke Einzelhandelsumsätze hatten Volkswirte zur Erwartung veranlasst, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt etwas verbessern könnte.

Die Arbeitslosenquote verringerte sich im August allerdings auf 6,1 Prozent, nachdem sie im Juli bei 6,2 Prozent gelegen hatte. Analysten hatten die Rate unverändert erwartet. Die Stellenzahl und die Arbeitslosenquote beruhen auf unterschiedlichen Erhebungen des Ministeriums.

US-Wirtschaft läuft nicht mit voller Stärke

Analysten zufolge dämpfen die schwachen Arbeitsmarktzahlen den Konjunkturoptimismus in den USA. "Die fantastischen Nachrichten zur Wirtschaft in den vergangenen beiden Monaten müssen im Zusammenhang mit der Arbeitsmarktflaute gesehen werden, die die lebhafte Entwicklung bei den Verbraucherausgaben zu einem abrupten Ende zu bringen droht", sagte John Lonski von Moody's Investors Service. "Die anhaltend schwache Verfassung des US-Arbeitsmarktes erinnert uns daran, dass die US-Wirtschaft nicht mit voller Stärke läuft."

Die Furcht vor Arbeitsplatzverlusten hatte in den vergangenen Monaten das Vertrauen der Konsumenten belastet. Die Verbraucherausgaben machen in den USA zwei Drittel der Wirtschaftsleistung aus und hatten sich in den vergangenen Jahren als wichtige Stütze der schwachen Konjunktur erwiesen. Der Konsum war dabei relativ stabil geblieben und hatte einen noch stärkeren Wirtschaftsabschwung verhindert.

Steuererleichterungen

Die US-Regierung hofft nun, dass die auf den Weg gebrachten milliardenschweren Steuererleichterungen die Verbraucher zum Kauf anregen und damit der Konjunktur zusätzlichen Auftrieb geben sowie für mehr Beschäftigung sorgen. Die hohe Arbeitslosigkeit in den USA zeichnet sich auch als ein zentrales Thema im Präsidentenwahlkampf im kommenden Jahr ab. US-Finanzminister John Snow äußerte am Freitag in einem Fernsehinterview die Erwartung, dass die Beschäftigung in den kommenden Quartalen wieder zunimmt.

Die überraschend positive Geschäftsentwicklung in der Industrie und im Dienstleistungssektor nährt in den USA zunehmend Hoffnungen auf eine kräftige Wachstumsbeschleunigung im laufenden Quartal. Die US-Wirtschaft war im zweiten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 3,1 Prozent gewachsen. Finanzminister Snow sagte auch für das dritte und vierte Quartal ein Wachstum von mehr als drei Prozent voraus.

Zahlreiche Volkswirte haben zuletzt ihre Konjunkturprognosen für das dritte Vierteljahr nach oben geschraubt, manche Experten erwarten gar einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von bis zu sieben Prozent. Nach Darstellung der US-Notenbank (Fed) hat die Konjunktur in den USA im Juli und August weiter an Fahrt gewonnen.(APA/Reuters)

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