Frankfurter Ärzte weisen Kritik an "Robodoc" zurück

16. September 2003, 14:35
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Unfallklinik setzt sich gegen Klagen ehemaliger Patienten zur Wehr

Die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Frankfurt am Main hat Kritik an den von ihr praktizierten computergestützten Hüftgelenkoperationen als unverantwortlich zurückgewiesen. Die Klinikleitung bestätigte zwar, dass bisher zehn Klagen ehemaliger Patienten eingegangen sind. Dies seien aber nur Einzelfälle angesichts von insgesamt 6.000 Patienten, die bisher nach dem "Robodoc"-Verfahren behandelt worden seien. Der Roboter wird in Frankfurt seit 1994 routinemäßig eingesetzt.

120.000 Hüftoperationen

In Deutschland werden jährlich rund 120.000 Hüftoperationen durchgeführt. Häufig wird der kranke Knochen noch per Hand ausgeraspelt, die Prothese wird anschließend einzementiert. Beim computergestützten Operationsverfahren übernimmt die Robotermaschine "Robodoc" die Fräsarbeit, und zwar mit einer Präzision von 0,05 Millimetern. Dadurch wird nach Angaben der Mediziner zwischen Prothese und Knochen ein Kontakt von fast 100 Prozent erreicht, so dass der künstliche Oberschenkelhals lediglich in den ausgehöhlten Knochen eingehämmert werden muss.

Schwere Muskel- und Nervenschädigungen

Bei den Klägern handelt es sich nach früheren Berichten des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" um Patienten, die bei den Eingriffen zum Teil schwere Muskel- und Nervenschädigungen erlitten haben sollen. Sie könnten sich nun nur noch hinkend oder mit Krücken fortbewegen. "Es wird völlig übersehen, dass es bei allen Operationen und damit auch bei Hüftoperationen generell Risiken gibt", betonte der Geschäftsführer der Frankfurter Unfallklinik, Joachim Berger. Doch die Zahl der postoperativen Beschwerden falle bei computergestützten Eingriffen deutlich geringer aus als bei konventionellen Verfahren.

"Robodoc" sei für den Patienten schonender, weil vor der Operation mit Hilfe des Computers der Eingriff punktgenau und auf den Knochenbau des Patienten abgestimmt geplant und diese Planung bei der Operation auch eins zu eins umgesetzt werde, sagte Berger. Während es bei der normalen Methode in 15 Prozent aller Fälle später zu Knochenanrissen oder Brüchen komme, sei dies bisher bei "Robodoc"-Nachuntersuchungen in keinem einzigen Fall ermittelt worden. (APA/AP)

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