"Pumuckls" Mütter

11. September 2003, 20:49
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Unfreie Bearbeitung des 'Ur-Pumuckl': Der Rotschopf hat zwei Erzeugerinnen: Die Literatin und die Zeichnerin

München - Pumuckl hat zwei Mütter. Das Oberlandesgericht München hat am Donnerstag in letzter Instanz entschieden, dass neben der Schriftstellerin Ellis Kaut auch der Zeichnerin Barbara von Johnson ein Urheberrecht an dem Kobold mit dem roten Haar zusteht. Johnson setzte mit ihrer Klage gegen Kaut auch durch, dass sie bei jeder Verbreitung von Pumuckl-Illustrationen als Urheberin der grafischen Vorlage genannt wird. Das gelte auch für das Internet, urteilte der Zivilsenat. Barbara von Johnson hatte Anfang der 60er Jahre die Zeichnungen zur Illustration der "Pumuckl"-Bücher von Ellis Kaut entworfen.

Johnson habe die mit Ellis Kaut 1982 vereinbarte Einschränkung ihres Urheber-Benennungsrechts 2001 wirksam zurückgerufen, weil sie "sonst immer mehr als Urheberin in Vergessenheit geraten könnte", wie sich bei einigen Nutzungen gezeigt habe. Die von der Grafikerin geforderte Auskunfts- und Rechnungslegungspflicht wies das Gericht allerdings ab. Revision gegen das Urteil wurde nicht zugelassen.

Das Landgericht München hatte der Grafikerin in erster Instanz Recht gegeben, die als Miturheberin von der Autorin Kaut und deren Partnerfirmen zusätzliches Honorar vor allem für die Vermarktung des Kobolds im Internet forderte. Die beklagten Werbeagenturen und Merchandising-Unternehmen hatten sich darauf mit Johnson außergerichtlich auf eine Abfindung geeinigt.

'Ur-Pumuckl'

Johnson hatte den Kobold im Auftrag von Kaut gezeichnet, die die Figur 1962 für Hörspiele des Bayerischen Rundfunks geschaffen hatte. Die genauen Vorgaben der heute 82-jährigen Kinderbuchautorin lauteten damals: Wilde rote Haare, freches Gesicht, gelbe Jacke, grüne Hose, nackte Füße. Als dann 1982 der erste Kobold-Kinofilm "Meister Eder und sein Pumuckl" entstand, wurde Johnsons Darstellung zwar nicht mehr verwendet. Von nun an zeichnete Kauts Schwiegersohn Brian Bagnall den frechen Kinderliebling für sämtliche Produkte. Aber der überarbeitete Pumuckl hat die selben typischen Merkmale wie Johnsons Kobold: wirrer roter Haarschopf, runder Kopf, abstehende Ohren, gelbe Jacke, grüne Hose und übergroße Hände und Füße. Das Oberlandesgericht stellte fest, beim heutigen Pumuckl handle es sich "um eine unfreie Bearbeitung des 'Ur-Pumuckl' und nicht um ein davon losgelöstes eigenständiges Werk". (APA)

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