Österreicher führend bei Ost-Banken

8. September 2003, 20:50
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Für Neueinstieg wohl zu spät: Privatisierungen fast gelaufen, Banken nur noch "second hand" erhältlich - Wachstumsaussichten ungebrochen gut

Wien - Österreichs Banken sind die klare Nummer eins in Zentral- und Osteuropa (CEE). Mit einem gemeinsamen Marktanteil von 27,6 Prozent lassen sie die Institute Italiens (14,6 Prozent) und Belgiens (11,9 Prozent) deutlich hinter sich, geht aus einer Studie der im bayerischen HypoVereinsbank-Konzern für Osteuropa zuständigen Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) hervor. Diesen "Löwenanteil" werde man auch verteidigen können, da es keine Anzeichen für einen Rückzug heimischer Banken aus der Region gebe und dort kaum mehr Institute zur Privatisierung anstünden, sagte Martin Grüll, Bereichsleiter CEE in der BA-CA, am Donnerstag.

Gereiht nach Einzelinstituten muss sich Österreich allerdings mit Silber und Bronze begnügen, denn der größte Player in der Region ist die belgische KBC mit einer Bilanzsumme (aliquot nach Beteiligungsverhältnissen) von insgesamt 24,2 Mrd. Euro. Auf Rang zwei folgt die Erste Bank mit 21,0 Mrd. Euro vor der BA-CA mit 19,7 Mrd. Euro. Unter den heimischen Vertretern scheint weiters die Raiffeisen Zentralbank (RZB) als siebtgrößte CEE-Bank mit 12,0 Mrd. Euro Bilanzsumme auf.

Ausgezeichnete Ausgangsposition

Die österreichischen Banken dürften sich durch ihre frühe Ost-Expansion eine ausgezeichnete Ausgangsposition in der Region verschafft haben, denn das Fenster für einen Markteintritt scheint bereits wieder geschlossen zu sein: "Wer heute noch in den CEE-Bankenmarkt einsteigen will, ist mit großer Wahrscheinlichkeit zu spät", meint BA-CA Chefökonomin Marianne Kager. Denn von den zwanzig größten CEE-Banken befinden sich bereits 16 mehrheitlich in ausländischem Besitz. Zusätzliche Institute könnten daher zumeist nur noch von anderen internationalen Finanzkonzernen erworben werden, die einen Rückzug aus der Region planten.

Diese "zweite Konsolidierungswelle" - sich zurück ziehende, ausländische Banken verkaufen ihre Beteiligungen sozusagen "second hand" - ist laut Kager bereits eingeläutet worden. Gemäß dem Motto "ganz oder gar nicht" würden sich auf Dauer nur jene Bankkonzerne in der Region behaupten können, die - wie die großen österreichischen Vertreter - eine "umfassende Osteuropa-Strategie" verfolgten. "In den nächsten Jahren werden weitere Player den Markt verlassen und damit die zweite Konsolidierungswelle fortsetzen", erwartet Kager.

Dabei sind die Wachstumsaussichten im CEE-Bankensektor laut der BA-CA-Chefökonomin weiterhin ungebrochen, der Markt zeige nach wie vor die Merkmale eines aufholenden Bankensystems. Besonders der EU-Betritt im Mai 2004 sollte dem Sektor einen neuerlichen Wachstumsschub verleihen: Bis 2006 prognostiziert Kager einen Anstieg der Bilanzsummen in der Region um 42 Prozent, die Kredite sollten um 51 Prozent zunehmen und die Einlagen um 33 Prozent höher liegen. Die größte Wachstumsdynamik in der Region verschiebe sich derzeit nach Südosteuropa. (APA)

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    Die heimischen Banken dominieren in Osteuropa - hier eine Tochterbanl der Ersten

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