Das letzte Interview von Marcel Prawy

8. September 2003, 22:09
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Doku-Spielfilm "Richard Tauber - Dein ist mein ganzes Herz"

Hamburg - Das letzte Interview des im Februar verstorbenen "Opernführers" Marcel Prawy ist am Donnerstag im deutschen Fernsehen zu sehen. Prawy sprach in mehrstündiger Ausführlichkeit mit dem Regisseur Kai Christiansen für dessen Doku-Spielfilm "Richard Tauber - Dein ist mein ganzes Herz", der Donnerstag um 23 Uhr auf ARD gezeigt wird. Neben Prawy kommen weitere Zeitzeugen in Christiansens Film zu Wort.

In New York besuchte der Regisseur die 90-jährige Martha Eggert, Witwe des schärfsten Tauber-Rivalen Jan Kiepura, in England sprach er mit Mary Losseffs Enkelin und ihrem Neffen sowie der Witwe von Taubers Gärtner im Londoner Exil, wohin die Nazis den "Halbjuden" Tauber vertrieben hatten.

In den eingefügten Spielszenen übernimmt Armin Rohde den Tauber-Part, während die originalen Tauber-Filmbilder - in privaten Szenen aus den im Linzer Nordico-Museum aufbewahrten Beständen des begeisterten Schmalfilmers Tauber sowie in Ausschnitten der von ihm gedrehten Spielfilme - einen sehr anderen Tauber zeigen, elegant und weltmännisch, einen Grandseigneur des Showbusiness, dessen Nachruhm in der Wahlheimat England fast noch stärker ausstrahlt als hierzulande.

Schächen

Kein Genie ohne kleine Schwäche: Supertenor Richard Tauber (am 16. Mai 1891 als Ernst Seiffert in Linz geboren, am 8. 1. 1948 gestorben) schaffte zum Beispiel nie das Hohe C, wusste sich aber so geschickt darum hinwegzuschummeln, dass es wenigstens die Fans nicht merkten. "Einer wie er konnte sich das leisten", sagt Prawy, "Aber die Schwäche allein genügt nicht, um ein Star zu sein."

Hier kann nun der Musikkenner in aller Ausführlichkeiten Schwächen wie Stärken der unvergleichlichen Tenor-Stimme eines Mannes lauschen, dem früh ein Musiker prophezeit hatte: "Ein Sänger werden Sie nie." Tauber wird es dennoch, brilliert als Mozart-Tenor und im italienischen Fach und hat schließlich seine schicksalhafte Begegnung mit dem Komponisten Franz Lehar, dessen Operetten ihn zum Superstar seiner Zeit machen, allerdings auch seinen Ruf als ernst zu nehmenden Sänger gefährden. "Ich singe nicht Operette. Ich singe Lehar", setzte er selbstbewusst gegen solche Anwürfe.

Weniger glanzvoll fiel seine private Lebensbilanz aus: zwei gescheiterte Ehen, die unglückliche Verbindung mit der alkoholabhängigen Primadonna Mary Losseff, für die er seine einzige eigene Operette "Der singende Traum" komponierte. "Keine besondere Frau", wie Prawy über die Sängerin urteilte. (APA)

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