Muren kosten Millionen

9. September 2003, 20:29
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Die heftigen Unwetter in Kärnten haben Schäden im Ausmaß von bis zu sieben Millionen Euro hinterlassen - Land und Bund versprechen finanzielle Hilfe für die Opfer

Klagenfurt/Udine - In den Kärntner Unwettergebieten hat sich die Lage am Montag leicht entspannt. In der kleinen Ortschaft Vorderberg im Bezirk Hermagor konnte der Großteil der Bewohner wieder in die Häuser zurückkehren. Der Schaden wird von Bürgermeister Hans Ferlitsch (SP) mit fünf bis sieben Millionen Euro beziffert.

Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider (FP) kündigte rasche Hilfe für die Opfer der Unwetterkatastrophe an. Finanzminister Karl-Heinz Grasser sei ersucht worden, Bundesmittel aus dem Katastrophenfonds herauszurücken. Auch das Kärntner Nothilfswerk stellt für private Haushalte finanzielle Hilfe zur Verfügung.

Infrastruktur betroffen

Schwere Schäden gibt es vor allem an der Infrastruktur. 50 Privathaushalte sowie die denkmalgeschützte Kirche in Vorderberg sind betroffen. Für deren Wiederaufbau will Haider Mittel aus der Kulturabteilung des Landes bereitstellen. Das gesamte dörfliche Leben in Vorderberg ist derzeit lahm gelegt. Schadensfeststellungskommissionen sind pausenlos unterwegs, um die Schäden zu dokumentieren.

Nach den Murenabgängen waren weiterhin der Wurzenpass, die Eggeralm-, die Vorderberger-, die Kreuzener-und die Farchersee-Landesstraße gesperrt. Für die Hochwasseropfer im Gailtal liefen erste Hilfsmaßnahmen an. So erhalten Arbeitnehmer aus Mitteln des Wohnbaudarlehens der Arbeiterkammer (AK) einen zinsenlosen Kredit in Höhe von 10.000 Euro und einen einmaligen nicht rückzahlbaren Zuschuss von 700 Euro. Die AK verwies darauf, dass alle Schäden an Gebäuden und Hausrat, welche nicht über Katastrophenfonds oder Versicherungen gedeckt sind, steuerlich voll als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden können.

Hilfe im Kanaltal

Die Kärntner Einsatzkräfte waren am Montag auch wieder in Ugovizza (Uggowitz) im italienischen Kanaltal im Einsatz. Die Lage in der Provinz Udine blieb äußerst schwierig, mehr als 400 Gebäude wurden durch Muren und Überschwemmungen schwer beschädigt. Weiterhin als vermisst galt eine 52-jährige Frau. Sie soll Sonntag laut Augenzeugenberichten in ihrer Garage von einer Gerölllawine erfasst worden sein.

Die Verkehrslage war weiterhin prekär. Die Bundesstraße 13 blieb gesperrt. Die Autobahn A23 im Kanaltal war nach wie vor in beiden Richtungen nur einspurig befahrbar. Auch die Bahnlinie Udine-Tarvis-Villach war immer noch unterbrochen, Züge nach und von Österreich wurden auf die Brennerlinie umgeleitet. (stein, Der Standard, Printausgabe, 02.09.2003)

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