IOC schaltet sich in Doping-Affäre Young ein

30. August 2003, 17:54
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Präsident Rogge fordert "dringende Aufklärung" - WADA-Präsident Pound: "USA soll Medaille zurückgeben"

Paris - Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat sich am Donnerstag in den angeblichen Doping-Fall des US-Weltmeisters Jerome Young eingeschaltet. In einem Brief an das Nationale Olympische Komitee der USA (USOC) und den Leichtathletik-Weltverband IAAF fordert IOC-Präsident Jacques Rogge die dringende Aufklärung dieser Sache, hieß es in einer Mitteilung.

Vor Olympia positiv getestet

Nach seinem Sieg über 400 m bei den Weltmeisterschaften in Paris war Young von der Vergangenheit eingeholt worden. Angeblich ist er jener mysteriöse amerikanische Athlet, der bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney trotz eines vorherigen Anabolika-Vergehens gestartet ist und Gold mit der 4x400-m-Staffel geholt hat. "Hier ist jemand, der unberechtigt an Olympia teilgenommen und Gold gewonnen hat. Die USA sollten das Richtige tun und die Medaille zurückgeben, bevor das IOC handelt", fordert Richard Pound, Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA).

Für den früheren US-Läufer Michael Johnson, der in dieser Staffel mitgelaufen war, kommt das nicht in Frage. "Persönlich werde ich die Medaille niemals zurückgeben", sagte der neunmalige Weltmeister der französischen Sportzeitung "L'Equipe".

Amerikanische Verband schweigt

Der 27-Jährige aus Jamaika stammende Young, der sich an diesem Freitag mit der US-Staffel im Vorlauf auf den Weg zu seinem zweiten Titel macht, schweigt derweil beharrlich. Keine Stellungnahme gibt es seit Jahren vom amerikanischen Leichtathletik-Verband USATF zu den insgesamt 13 US-Athleten, die vor Sydney positiv getestet worden sein sollen - darunter Young am 26. Juni 1999 auf Anabolika, wie die "Los Angeles Times" berichtet hatte.

Die IAAF hatte ihren mächtigen Mitgliedsverband auf die Herausgabe der Namen der Doping-Sünder verklagt. Doch das Schweigen des USATF wurde durch ein Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) in Lausanne im Jänner legitimiert. Für die IAAF ist dieser Fall deshalb abgeschlossen. "Dies ist für uns Geschichte. Es gibt dazu nichts mehr zu sagen", erklärte IAAF-Generalsekretär Istvan Gyulai.

Handeln kann nun nur noch das IOC. "Zunächst müssen die Vorwürfe überprüft werden", erklärte Rogge. Nach der IOC-Charta können bei Olympischen Spielen erzielte Ergebnisse bis zu drei Jahre danach noch untersucht und geändert werden. WADA-Chef Pound hat Rogge bereits in einem Schreiben aufgefordert, den spektakulären Fall untersuchen zu lassen und schnell Maßnahmen zu ergreifen.

"Wir wissen, dass es einen positiven Fall gab. Die Bestätigung, wer es gewesen ist, würde den Verdacht von den anderen Athleten nehmen", meinte Rogge. Schon einmal hat das IOC rückwirkend eine Medaille aberkannt: Nach den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City verlor die des Dopings überführte russische Langläuferin Larissa Lasutina eine Gold- und zwei Silbermedaillen. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Steve Young nach seinem Sieg über 400 Meter in Paris.

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