Spielberg will Cyberkino aufziehen

6. Jänner 2000, 13:42

Internet-TV als Geburtshelfer für neue Fernsehserien und Kinofilme

Hollywood - Für das Frühjahr 2000 kündigte der Regisseur und Filmproduzent Steven Spielberg den Start der Website http://www.pop.com an, die neben Minifilmen auch interaktive Spiele und Online-Events bieten soll. Zahlreiche kleine Internet-TV Anbieter haben dem Film-Tycoon gezeigt, wie das künftige Portal aussehen könnte.

Mit interaktiven Cartoons und Kurzfilmen versuchen Hollywood-Manager, das Web als neues Unterhaltungsmedium aufzurüsten. Im Oktober 1999 wurden 19 Sites registriert, auf denen digitale Filme abrufbar sind. Die Vorreiter des Net-Entertainments sind allerdings Kleinunternehmen wie Mika Salmis AtomFilms, das seit fast einem Jahr auf Sendung ist und rund eine Million Besucher pro Monat registriert.

Die zum Abspielen der Filme nötige Software, kann von der Site kostenlos herunterladen werden. Da die Übertragungsqualität von Realfilmen erheblich zu wünschen übrig lässt, sind Animationen das gängigste Format. Doch wenn in einigen Jahren Highspeed Internet etabliert ist, dann "gibt es ein neues Massenpublikum", so Patrick Keane, ein Analyst bei Jupiter Communications.

Die meisten Hollywood-Studios scheuen sich vor dem Web-Auftritt jedoch noch. "Der Konsument ist dafür noch nicht bereit", meint Jake Winebaum, ehemaliger Leiter der Internet-Abteilung von Walt Disney. Die Erfolgszahlen der Internet-Film-Anbieter lassen zu wünschen übrig: Bei Ifilm.com , einer Website, die unabhängige Filme zeigt, zieht ein Film durchschnittlich 5.000 Besucher an. Im Vergleich dazu lassen sich mit einem herkömmlichen TV-Film Millionen von Zuschauern innerhalb einer Stunde vor die Bildschirme holen.

Spielbergs Seite Pop.com sieht sich nicht nur als neues Forum für Internet-Unterhaltung, so wie seinerzeit MTV für die Vorreiter-Roller für Musikvideos spielte, sondern sie "wollen auch den globalen Pool an unentdeckten Talenten anzapfen", kündigt Spielberg-Partner Jeffrey Katzenberg an.

Nutzer sollen bei der neuen Site ihre Ideen einbringen können, den Kreativsten sollen Entwicklungsverträge winken. "Unser Ziel ist es", so Spielberg, "die neuen Simpsons zu finden". Die eingelangten Ideen sollen auf ihre Netztauglichkeit geprüft und sogar zu Kurzprogrammen ausgebaut werden, die sich auch für Fernsehen oder Film weiterentwickeln ließen. Das Internet könnte zum Geburtshelfer für künftige TV- und Kinohits avancieren.

Auch die kleinen Independents sind auf Content-Suche: AtomFilms-Chef Salmi grast die internationalen Kinofestivals ab und kauft eifrig Kurzfilme von Regiestudenten. "Das Internet ist das ideale Mittel, um Kurzfilme dem Mainstream-Publikum zu präsentieren", weiß Michael Comish, Geschäftsführer von AtomFilms Europe. (pte/spiegel)

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