Millionenforderung für Saliera

29. August 2003, 14:43
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Versicherung erhielt Erpresserbrief mit "Bröseln" des Kunstwerks

Wien - Mehr als drei Monate nach dem Diebstahl der Saliera aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien könnte es eine erste heiße Spur geben. Roland Horngacher, der Chef der Wiener Kriminalpolizei, bestätigte dem STANDARD am Donnerstag, dass es einen Erpresserbrief gebe. In dem Schreiben, das laut ORF-Radiosender Ö 3 am Mittwoch bei der Uniqua-Versicherung eingegangene ist, werden für die Skulptur von Benvenuto Cellini zehn Millionen Euro gefordert. Andere Quellen sprachen von fünf Millionen.

Als Beweis soll der unbekannte Absender feines, von der Saliera abgekratztes Material mitgeschickt haben. Die chemischen Untersuchungen der "Brösel" waren Donnerstag noch nicht abgeschlossen.

Die oder der Erpresser sollen angekündigt haben, sich wieder zu melden. Die Polizei vermutet, dass ein Mittelsmann den Brief abgeschickt hat. Horngacher befürchtet, dass durch das Durchsickern der Neuigkeit die Wiederbeschaffung des Kunstwerkes aus dem 16. Jahrhundert erheblich erschwert worden sei.

Kein Kommentar

Die Uniqa gab auf Anfrage des STANDARD keinen Kommentar ab, wollte den Erhalt des Briefes weder bestätigen noch dementieren. Ähnlich verhielt sich auch KHM-Direktor Wilfried Seipel. Bei den Behörden wie auch im Museum seien in den letzten Monaten "viele Materialien und Briefe" eingegangen. Auch er zeigte sich unglücklich über das Bekanntwerden des Briefes. "Es hilft überhaupt nichts, wenn jeder Hoffnungsschimmer gleich medial zu Tode getrampelt wird." Seipel verwies auf das Gemälde "Nebelschwaden" des deutschen Romantikers Caspar David Friedrich. Es wurde 1994 gestohlen und ist nun nach intensiven Verhandlungen wieder im Besitz der Hamburger Kunsthalle. Das Bild war damals in der Ausstellung "Goethe und die Kunst" geraubt worden. Wie die Kunsthalle Donnerstag mitteilte, sei kein Lösegeld bezahlt worden, vielmehr habe ein "Vermittler" das Gemälde wieder beschafft. (simo, trenk)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die "Saliera" von Benvenuto Cellini (1500-1571) stellte eines der bekanntesten und wertvollsten Objekte des Kunsthistorischen Museum Wien (KHM) dar.

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