Kochen für Kim!

6. Oktober 2003, 15:55
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Sein Gesicht soll man nicht sehen, auch wenn er paradoxerweise offenbar gerne im TV auftritt. Na, ja, egal ...

Sein Gesicht soll man nicht sehen, auch wenn er paradoxerweise offenbar gerne im TV auftritt. Na, ja, egal. Kenji Fujimoto hat jedenfalls einige interessante Bilder und Videoaufnahmen zu bieten. Was man sieht, könnte aus einem reichen Land stammen und zeigt an sich nichts Besonderes: Gelage, Feste, Tanzgruppen, teuere Autos.

Das Material stammt indes aus Nordkorea, jenem Land, in dem in den dreizehn Jahren, da Fujimoto dort tätig war, an die zwei Millionen Menschen an Hunger gestorben sind. Außer Aufmärsche "glücklicher" Untertanen des "geliebten Führers" Kim Jong Il bekommt man ja gemeinhin im TV wenig zu sehen von diesem fernen Land.

Zusätzlich attraktiv wird das Material dadurch, dass Fujimoto Sushi-Koch des Führers mit der seltsamen Brille war. Zusammen mit den Erzählungen über seinen ehemaligen Arbeitgeber ergaben die Bilder einen spannenden Kurzbeitrag, für den wir uns beim ZDF bedanken.

Luxuriös, aber zu spannend muss das Leben des Kochs, der über seine Erfahrungen auch ein Buch geschrieben hat, gewesen sein. Der Führer beschenkte ihn mit Motorrädern und Autos, Kim verschenkt mit Vorliebe Mercedes. Andererseits war er auch etwas misstrauisch und fragte den Koch: "Magst du mich? Verrate mich nie, denn du wirst es bereuen!"

So zog es Fujimoto vor, von einer Leckerbissen-Einkaufstour in Japan nicht mehr nach Nordkorea zurückzukehren. Auch wenn er es dort verdächtig lange aushielt, wünscht man ihm, dass Kim nicht ZDF schaut. (tos/DER STANDARD; Printausgabe, 28.8.2003)

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