Ohne Zuwanderung "droht Europa die Vergreisung"

28. August 2003, 19:38
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Die USA haben kein Problem mit Bevölkerungsnachwuchs und Wirtschaftskraft - ganz anders als die Europäer - Mit Kommentar

Europa mit ihren gewachsenen Widerständen gegen Zuwanderer droht die "Vergreisung", erklärten Experten in Alpbach.


Alpbach - Wenn die europäischen Länder nicht umgehend von einer restriktiven Fremdenpolitik hin zu einer gezielten Einwanderungspolitik übergingen, drohe dem Kontinent in den kommenden Jahrzehnten "eine massive Vergreisung mit weit reichenden negativen sozialen Folgen": Der Mangel an Kindern und in der weiteren Folge an Arbeitskräften, die für entsprechende Wirtschaftskraft sorgten, könne durch gezielte Familienförderungspolitik nicht mehr aufgeholt werden. Dies sei eine gefährliche Illusion, "der Rückgang aus den 70er Jahren ist nicht mehr aufzuholen".

Mit dieser brisanten Prognose wartete der international renommierte Bevölkerungswissenschafter Rainer Münz am Mittwoch zum Abschluss der Politischen Gespräche über die europäisch-amerikanischen Beziehungen beim Forum Alpbach auf: "Die Lücke schließen heißt, Eltern aus anderen Teilen der Welt zu importieren".Tatsächlich seien fast alle Länder auf Einwanderung angewiesen und nähmen auch Menschen auf, aber trotzdem stünde die Bevölkerung den Einwanderern skeptisch gegenüber.

Der Leiter der Auslandskulturabteilung im Außenministerium, Emil Brix, lieferte die kulturgeschichtlichen Erklärungen für den Unterschied zu den USA: "Migration wurde in Europa immer als Gefahr verstanden", erklärte er, "das Konzept des ethnisch reinen Nationalstaates hat Tradition". Dies unter anderem sei verantwortlich für den Glauben, so lasse sich die Ordnung herstellen. In den USA hingegen seien Einwanderung und Multikulturalität positiv besetzte Begriffe, die mit dem Aufstieg zur Weltmacht eng verbunden seien.

Münz zeigte, dass kurioserweise die Zahl der Einwanderer in den USA und in Europa mit rund 31 Millionen Menschen gleich hoch sei, was acht beziehungsweise elf Prozent der jeweiligen Bevölkerung entspreche. Die USA suchten gezielt ihre Zuwanderer aus, in Europa fehle aber eine klare Zielvorgabe: "Jede Gesellschaft bekommt die Zuwanderer, die sie verdient", sagte Rainer Münz.

Ursula Stenzel, EU-Abgeordnete der VP, stimmte der Forderung nach einer Harmonisierung der Migrationspolitik zu: Einwanderung allein aber könne nicht die Lösung sein. Zuwanderer sollten sofort in den Arbeitsmarkt integriert werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.8.2003)

Von Thomas Mayer

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