Hochangereichertes Uran im Iran gefunden

27. August 2003, 20:30
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El Baradei bestätigt Spuren in Nuklearanlage Natanz - Iran will Atomwaffensperr- Zusatzprotokoll unterzeichnen

Teheran/Wien - Der Iran hat sich bereit erklärt, das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag zu unterzeichnen und damit umfassende und unangemeldete Kontrollen in iranischen Atomanlagen zu gestatten. Das berichtete die amtliche iranische Nachrichtenagentur IRNA am Dienstag nach einem Gespräch zwischen dem Vertreter des Iran bei der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien, Ali Akbar Salehi, und IAEO-Generaldirektor Mohammed El Baradei am Vortag. Laut El Baradei hatten UN-Inspektoren in der iranischen Nuklearanlage Natanz "Spuren hochangereicherten Urans" gefunden, das zum Bau von Atombomben verwendet werden kann.

"Iran muss alles offenlegen"

Das Material sei an Gas-Ultra-Zentrifugen entdeckt worden, sagte El Baradei in einem am Dienstag veröffentlichten Interview des Hamburger Magazins "stern" weiter. "Dies beunruhigt uns sehr. Sollte sich herausstellen, dass der Iran sein Atomprogramm nicht für friedliche Zwecke nutzt, könnte dies fürchterliche Folgen haben." Seine iranischen Gesprächspartner hätten erklärt, "es handle sich um Maschinen, die bereits bei der Lieferung verschmutzt waren. Das überprüfen wir. Der Iran muss alles offenlegen", forderte El Baradei.

Ein IAEO-Sprecher sagte in Wien, der IAEO-Gouverneursrat werde am 8. oder 9. September in Wien erneut über das iranische Atomprogramm beraten. Vor diesem Treffen will die iranische Seite nach Angaben ihres Vertreters bei der IAEO noch einige Aspekte bezüglich der Souveränität des Landes bei unangemeldeten Kontrollen klären.

Die Uran-Aufbereitungsanlage in Natanz etwa 300 Kilometer südlich von Teheran wurde erst vor knapp einem Jahr entdeckt. Nach Angaben aus Teheran handelt es sich um eine Anlage für zivile Zwecke. Experten bezweifeln dies. Anfang Februar 2003 hatte der Iran überraschend eine Ausweitung seines Atomprogramms angekündigt. Künftig will das ölreiche Land eigene Kernbrennstäbe für seine Atomanlagen herstellen.

"Auch Diktatoren wollen überleben"

IAEO-Direktor El Baradei warnte in dem "Stern"-Interview vor einem neuen nuklearen Wettrüsten: "Atomwaffen sind begehrter denn je. Heute wird bereits ernsthaft darüber diskutiert, dass man Atomwaffen einsetzen kann. Auch Diktatoren wollen überleben." In diesem Zusammenhang warf El Baradei den USA vor, mit der Forschung an so genannten "Mini-Atombomben" faktisch den Atomwaffensperrvertrag zu brechen: "Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Die US-Regierung verlangt von anderen Staaten, keine Atomwaffen zu besitzen. Andererseits perfektioniert man das eigene Arsenal. Ich glaube, es entspricht nicht dem Vertrag, den sie unterzeichnet haben."

Tatsächliche Klärung braucht weitere Untersuchungen

Die IAEO konnte nach eigenen Angaben noch nicht klären, ob der Iran mit seinem umstrittenen Atomprogramm auch Waffen entwickeln kann. In den Schlussfolgerungen eines vertraulichen IAEO-Berichts heißt es: "Zusätzliche Arbeit (...) ist nötig, um zu Schlussfolgerungen über die Aussage des Iran zu kommen, dass es im Iran keine Aktivität zur Urananreicherung mit Nuklearmaterial gegeben hat." Die Herstellung von hochangereichertem Uran gilt als wichtiger Hinweis auf ein geheimes Waffenprogramm, dessen Existenz die USA vermuten. Der Iran hat die Vorwürfe bestritten und erklärt, sein Atomprogramm diene der Energiegewinnung.

El Baradei: "Nordkorea betreibt nukleare Erpressung"

Mit Blick auf die an diesem Mittwoch beginnenden Atomgespräche mit Nordkorea sagt El Baradei im "stern": "Zur Zeit stellt Nordkorea die größte Bedrohung dar." Man wisse nicht genau, ob der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il die Atombombe bereits besitze: "Doch wir wissen, das Land besitzt waffenfähiges Plutonium. Damit kann es innerhalb weniger Monate Atombomben bauen." Nordkorea verfolge eine Politik der "nuklearen Erpressung". "Gegen den Irak wurde wegen angeblicher Massenvernichtungswaffen Krieg geführt. Aber mit Nordkorea gibt es Gespräche wegen ihres Atomprogramms. Das fordert geradezu zur Nachahmung auf." (APA/dpa/AP/Reuters)

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