Handlungsbedarf bei klaffender Einkommensschere

26. August 2003, 13:14
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Rauch-Kallat und Prammer über Lösungsmodelle uneins - ÖGB kritisiert "euphemistische Darstellungsweise" der Frauenministerin

Entgegen der Jubelmeldung von Frauenministerin Rauch-Kallat, die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen werde kleiner, ortet SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer weiteren und verstärkten Handlungsbedarf. Am Montag forderte sie konkrete Maßnahmen, die "über das, was jede Minigemeinde auch machen könne, hinausgeht". Die Frauenministerin hätte nur vage Vorschläge anzubieten, es fehle an gesetzlichen Maßnahmen. Die Notwendigkeit eines besseren Angebots an Kinderbetreuungseinrichtungen werde nun zwar auch gesehen, wie diese Verbesserung aber ohne entsprechende Bundesunterstützung erfolgen soll, bleibe offen. Eine steuerlich einheitliche Berücksichtigung der Kinderbetreuung würde Prammer unterstützen. "Allerdings nur die außerhäusliche Kinderbetreuung und wenn es die Möglichkeit der Negativsteuer gibt. Das wäre ein erster Schritt zur Gratisbetreuung von Kindern", so Barbara Prammer.

Unqualifizierte Frauenberufe im Ansteigen

Prammer verwies auf die Tatsache, dass der Anteil von Frauen in unqualifizierten und ungelernten Berufen in den letzten zwölf Jahren "bedenklich angestiegen und bei der mittleren Tätigkeit stagnierend" sei. Die SPÖ-Frauen wünschen sich kürzere familienbedingte Unterbrechungen der Berufstätigkeit, einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit und bessere Maßnahmen zu Wiedereinstieg und Neuqualifizierung. Letzteres sei "angesichts der von der Regierung zu verantwortenden Kürzung der AMS-Mittel leider ein Ziel, das in weite Ferne gerückt wurde", so Prammer.

Frauenministerin Rauch-Kallat hatte montags berichtet, dass sich bei ganztags, ganzjährig beschäftigten Personen mit mittleren Einkommen hat die Einkommensschere von 23,1 Prozent auf 22,8 Prozent verringert habe. Gleichzeitig gestand sie ein, die große Hürde für Frauen sei nach wie vor fehlende Kinderbetreuung. Hier wolle sich Rauch-Kallat um ergänzende Modelle am Land bemühen.

Die Ansatzpunkte von Rauch-Kallat

  • Für die Berufswahl will Rauch-Kallat mehr Initiativen setzen. Die Technischen Universitäten etwa gehen von sich aus an die Schulen, um verstärkt Mädchen für bisher meist "männliche" Domänen zu begeistern. Mit Erfolg, wie Rauch-Kallat betonte, der Anteil der Frauen in diesem Bereich sei verdoppelt worden.

  • Zweiter Punkt ist das Thema Berufsunterbrechung, die Babypause. Frauen müssen laut der Ministerin dazu animiert werden, sich am Beginn der Karenz ihre weitere Laufbahn genau zu überlegen.

  • Die Kinderbetreuung ist der dritte Punkt. Für Drei- bis Sechs- Jährige sei das Angebot bereits "im Großen und Ganzen" flächendeckend, große Lücken gebe es aber bei den unter Drei- und den Sechs- bis Zwölf-Jährigen am Nachmittag. Und vor allem: "Die Angebote müssen leistbar sein", so Rauch-Kallat. Sie betonte daher die alte Forderung ihrer Partei nach steuerlicher Absetzbarkeit der Kinderbetreuung.

    ÖGB: Frauen in unqualifizierte Bereiche abgewandert

    Die Frauenvorsitzende im ÖGB, Renate Csörgits, übt Kritik an "euphemistischen Darstellungsweisen" von Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (V) zur Einkommensschere: Dass es mehr Frauen in Führungspositionen gebe, sei zwar erfreulich, der Anteil von Frauen in unqualifizierten Berufen habe jedoch "in bedenklich Ausmaße" angenommen. Die notwendigen Mittel für eine flächendeckende Kinderbetreuung sollte der Bund zur Verfügung stellen, so Csörgits in einer Aussendung. (APA/red)

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