Ewig ist nichts

22. August 2003, 20:23
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Auch wenn man es nicht glauben will: Sicherheit ist seit der Antike ein Zentralbegriff der politischen Philosophie. Vor allem im Denken der Römer spielte Sicherheit eine entscheidende Rolle. Auf das Sicherheitsbedürfnis des Menschen bezogen, hat vielleicht Cicero am besten definiert, was unter "securitas" zu verstehen ist: "Sicherheit nenne ich die Abwesenheit von Kummer, worin das glückliche Leben besteht." Nicht bedroht und nicht gefährdet zu sein - was als Ausdruck gegenwärtigen Sicherheitsdenkens gedeutet werden könnte, war die Maxime der imperialen römischen Politik. Die Pax Romana sollte alle Bedrohungen von außen fern halten und im inneren stabile und sichere Verhältnisse garantieren. Und auf den Kaisermünzen des 1. nachchristlichen Jahrhunderts wird die Securitas durch eine Frauengestalt versinnbildlicht.

Sicherheit hat immer mit stabilen, verlässlichen und kalkulierbaren Verhältnissen zu tun, was sich etwa im modernen Begriff der "Rechtssicherheit" ausdrückt. Sicherheit ist ohne Frieden nicht zu haben. Und um diesen zu erreichen, müssen mitunter Kriege geführt werden. Schon Machiavellis "Fürst" führt seine Kriege, um seinen Untertanen sichere Verhältnisse garantieren zu können. Und Thomas Hobbes, ein mittlerweile wieder gerne zitierter Philosoph, stellt den Gedanken der Sicherheit überhaupt ins Zentrum seiner politischen Philosophie und Staatstheorie. Gerade weil der ungeregelte Urzustand zwischen den Menschen einem Krieg aller gegen alle gleichkommt, muss der Staat alle Gewalt monopolisieren, um so das sichere Leben der Bürger zu ermöglichen. Wohl ist von Natur aus der Mensch dem Menschen ein Wolf; aber, so Hobbes, der Mensch kann auch ein Gott für den Menschen sein, wenn er sich dazu entschließt, in Frieden zusammenzuleben, und bereit ist, sich diesen Frieden durch eine absolute Macht sichern zu lassen.

Mit der Frage nach der Möglichkeit des Friedens zwischen den Menschen und Völkern hat sich auch Immanuel Kant intensiv beschäftigt. Seiner Schrift "Zum ewigen Frieden", in der vom Völkerrecht bis zur sukzessiven Entmilitarisierung alles enthalten ist, was tatsächlich friedensfördernd sein könnte, wurde aber oft der Vorwurf gemacht, unrealistisch zu sein, denn ewig ist nichts, schon gar nicht der Friede. Allerdings: "Zum ewigen Frieden" - das war, wie Kant in seiner Vorrede anmerkt, die "satirische Überschrift" auf dem Schilde eines holländischen Gastwirtes, worauf ein Kirchhof gemalt war.

Mit diesem Hinweis hat auch Kant mit leiser Ironie klargestellt, dass es den ewigen Frieden natürlich nur für die Toten gibt. Die Lebenden haben sich um diesen zu bemühen - mitunter auch um den Preis eines Krieges. []

Ein philosophisches Wörterbuch von Konrad Paul Liessmann. Fünftens: Frieden/Sicherheit
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