"Götterdonner" über Hangar-7

30. August 2003, 15:46
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Am Freitag wurde der Flughafen Salzburg und seine Umgebung zur Sperrzone - der Hangar-7 wurde mit viel Getöse eröffnet

Red Bull verleiht nicht nur Flügel, er lähmt sie manchmal auch: Am Freitag wurde der Flughafen Salzburg und seine Umgebung zur Sperrzone - der Hangar-7 wurde mit viel Getöse eröffnet. Dietrich Mateschitz bat internationale Prominenz zum Benefiz-Megaspektakel.


Salzburg - Landeverbot für Passagierflugzeuge am Airport Salzburg: Dietrich Mateschitz, weltweit erfolgreicher Vermarkter eines ursprünglich thailändischen Energy-Drinks, zelebrierte die Eröffnung von Hangar-7, eines gläsernen Flugzeugmuseums samt Lokalen und Lounges, Freitagnachmittag mit Pomp und Dutzenden Models in grauen Stewardessenuniformen.

Um 18 Uhr hoben im Rahmen der Salzburger Festspiele vier Black-Hawk-Hubschrauber des Bundesheeres ab und zogen, einer präzisen Choreografie folgend, für eine halbe Stunde ihre Kreise. In jedem der vier Helis saß ein Musiker und spielte seinen Part des Helikopter-Streichquartetts von Karlheinz Stockhausen, der am Freitag seinen 75. Geburtstag feierte. Die Töne der Instrumente, der Rotorblätter und der Motoren wurden in den Hangar übertragen und dort zum Ganzen gemischt.

Um 19.47 Uhr, startete der zweite Höhepunkt: Menschen, Autos, schweres Krangerät und Flugzeuge interpretierten nach einer Idee des Salzburger Künstlers Hubert Lepka in 15 Bildern Themen der griechischen Mythologie.

Dem Megaspektakel wohnten Abertausende bei. Und 2000 von ihnen ließen sich die Darbietung samt abschließender Soirée - für das Menü zeichnete Starkoch Eckart Witzigmann mit Unterstützung von Roland Trettl verantwortlich - viel Geld kosten: Der Eintritt betrug pro Person 500 Euro. Die kompletten Einnahmen, mehr als eine Million Euro, werden karitativen Zwecken zugeführt. Ein Drittel kommt der Mentor-Stiftung zugute, einer Drogen-Vorsorge-Initiative von Königin Silvia von Schweden für Aktivitäten in Österreich; die anderen beiden sind für Stipendien und Forschungsprojekte der Privaten Medizinischen Universität Salzburg beziehungsweise den nötigen Umbau der Lungenstation am LKH Salzburg vorgesehen.

Zwar folgten nicht alle Stars, die gerüchteweise hätten kommen sollen (wie Arnold Schwarzenegger, Dennis Hopper und Demi Moore) dem Ruf von Mateschitz, Prominenz war dennoch reichlich vertreten: Prinz Albert von Monaco, Mond-Pionier Buzz Aldrin, Franz Beckenbauer, DJ Ötzi, Niki Lauda und Gerhard Berger standen genauso auf der Gästeliste wie US-Mäzen Donald Kahn und die Sopranistin Anna Netrebko.

Aber nicht jedermann nahm die Show begeistert auf: Etliche Anrainer beklagten sich über den Lärm. Die Veranstalter hatten bereits im Vorfeld brieflich geraten: "Wer dem Götter-Donner nichts abgewinnen kann, der schont seine Ohren am besten durch die Verwendung eines Gehörschutzes."

Das futuristische Gebäude von Architekt Volkmar Burgstaller wurde in erster Linie für die historische Flugzeugsammlung der "Flying Bulls" (Glanzstück ist die Douglas DC-6B von Marschall Tito aus 1958) errichtet. Das Restaurant Ikarus steht unter der Patronanz von Witzigmann. Von der Bar, die unter der Decke wie ein Kronleuchter schwebt, sieht man auf die Oldtimer.

Vier Jahre benötigte die Realisierung des Glaspalastes mit seinen 65.300 Kubikmetern Raum und den beiden zylindrischen Türmen. Wie viel sich Mateschitz den Bau hat kosten lassen, wurde allerdings nicht verraten. (DER STANDARD, Printausgabe, 23./24.8.2003)

Von Thomas Trenkler
  • Hangar-7, das Red-Bull-Flugzeugmuseum am Airport Salzburg: Glasarchitektur mit nicht bekannt gegebenen Kosten, am Freitag mit Pomp eröffnet.
    foto: sportsandnews/stefan aufschnaiter

    Hangar-7, das Red-Bull-Flugzeugmuseum am Airport Salzburg: Glasarchitektur mit nicht bekannt gegebenen Kosten, am Freitag mit Pomp eröffnet.

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    "Taurus Rubens", Teil eines Bilderbogens aus der griechischen Mythologie, von Hubert Lepka für den Himmel erdacht, mit schwerem Gerät in Szene gesetzt.

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    Vier Hub- schrauber mit Streichern: Motoren- geknatter und Noten bildeten das Helikopter- Streich- quartett.

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