Gesundheit wird teurer

29. August 2003, 17:54
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Nach schier endlosem Ringen steht endlich ein Kompromiss für die deutsche Gesundheitsreform - von Gerhard Plott

Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine SPD-Genossen strahlten, und sogar die oppositionelle Union war glücklich. Nun steht nach schier endlosem Ringen endlich ein Kompromiss für die deutsche Gesundheitsreform. Weniger froh dürften die Betroffenen, nämlich die Versicherten sein. Auf die deutschen Patienten kommen ab dem nächsten Jahr hohe Mehrkosten zu. Ab 2005 gibt es eine private Zusatzversicherung für Zahnersatz und schon 2006, ein Jahr früher als vorgesehen, die gesonderte Absicherung des Krankengelds durch die Arbeitnehmer. Von den etwa neun Milliarden Euro, die die Krankenkassen als Einsparungseffekt für 2004 erwarteten, zahlen die Versicherten acht Milliarden Euro. Dagegen kommt nur eine Milliarde von anderer Seite, nämlich von den Pharmafirmen. Die Lobbyisten der Pharmaindustrie, der Ärzte, Apotheker und Krankenhäuser können ihren Sieg schon feiern.

Die Lebenserwartung in Deutschland nimmt weiter zu, während sich die medizinischen Leistungen verbessern. Beides ist sehr erfreulich, aber es macht Gesundsein eben teurer. Unerfreulich ist jedoch das Wegbrechen der Einnahmebasis, kurzfristig durch die hohe Arbeitslosigkeit, langfristig durch den Bevölkerungsrückgang. Dagegen gibt es noch kein Rezept. Vo^rübergehend mögen jetzt die Beiträge sinken, weil Leistungen ausgegliedert werden und separat bezahlt werden müssen. Langfristig werden die Kosten jedoch weiter steigen.

Der Kompromiss bedeutet aber auch den Anfang vom Ende des Solidarprinzips bei der Finanzierung der Krankenkassen. Die gesetzlichen Krankenkassen werden künftig noch stärker den Privatversicherungen angeglichen, sei es mit flexibler Tarifgestaltung, mit Bonussystemen oder Beitragsrückzahlungen. Dies widerspricht eben der solidarischen Finanzierung, die Kranken werden mehr als die Gesunden bezahlen. Und so wird es wahrscheinlich auch in Österreich kommen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.8.2003)

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