Angesetzter Sparstift

14. Oktober 2003, 20:03
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Zukünftiger Grazer Medizin-Uni droht weniger Forschung

Graz - In knapp fünf Monaten soll die Verselbstständigung der Grazer medizinischen Fakultät zu einer eigenen Medizin-Uni abgeschlossen sein. Nun bringen Sparpläne des Bundes das Rektorat der künftigen Universität ins Schwitzen: Das Wissenschaftsministerium will im nächsten Jahr deutlich weniger Geld für Neu- und Umbauten im Grazer Uniklinikum ausgeben, für das ZMF gibt es zu wenig Personal. "Was Schlimmeres hätte der Medizin-Uni im status nascendi nicht passieren können", so Karlheinz Tscheliessnigg, der jüngst zum Vizerektor der Uni für den klinischen Bereich gewählt wurde.

"Ganz ohne Beisein der Universitätsangehörigen wurde in der letzte Woche den beiden KAGES-Vorstandsdirektoren mitgeteilt, dass es für das LKH-2000 Projekt zur Modernisierung der gesamten Anlage weniger Geld geben wird", so der Chirurg Tscheliessnigg. Statt wie geplant 25 Millionen Euro von Seiten des Bundes seien lediglich 17 Millionen Euro vorgesehen und erst 2005 solle wieder mehr Geld zur Verfügung stehen. "Das bedeutet, dass wir manche Bauten des Uniklinikums im Rohbau stehen lassen müssten und sich manche Planungen überhaupt auf den Sankt-Nimmerleinstag verschieben", so Tscheliessnigg, der noch nicht glauben will, dass das letzte Wort gesprochen worden ist.

Gefährdete Forschungsprojekte

Hart traf den Vizerektor auch die Mitteilung , dass das in Fertigstellung begriffene "Zentrum für Medizinische Forschung" durch das Ministerium nur ein Drittel des "Personals zur Aufrechterhaltung des Betriebes" bewilligt bekommen hat. "Beantragt wurden 60 Personen, das Geld reicht für 20 - das heißt , dass zwei Stockwerke nicht 'bespielt' werden können", erläutert Tscheliessnigg. "Das heißt aber auch, dass von den geplanten Forschungsprojekten auch bei bestem Willen nur die Hälfte durchgeführt werden wird können", so der Vizerektor.

Was geschieht jetzt mit den auf Grund fehlenden Personals leer stehenden Räumlichkeiten? "Wir versuchen zu nützen, was zu nützen ist, auch wenn es letztlich zu Lasten der Forschung geht und versuchen, dort wenigstens Lehrveranstaltungen unterzubringen", so der Mediziner. Tscheliessnigg: "Das wiederum geht nur wenn die geplanten Reihenlabore noch nicht so weit gediehen sind, dass man noch umplanen kann".

Raum ...

Raum für Lehrveranstaltungen kann die Medizin-Uni, die seit dem Vorjahr ein neues Curriculum mit kleineren Studierendengruppen anbietet, ja mehr als gut gebrauchen. "Dazu kommen die Kettenreaktionen, wenn es wirklich zu Bauverzögerungen kommt: Wenn beispielsweise die Medizin II nicht rechtzeitig fertig gestellt werden kann, dann bleiben deren Blocklabore noch länger in dem Komplex, der eigentlich als Hörsaal der Chirurgischen Klinik gedacht war - und irgendwo muss man die Studenten ja unterbringen", erkläutert der Klinik-Chef.

Bis Anfang September wird jetzt im Rektorat der künftigen Medizinuni heftig umgeplant, -geschichtet und -disponiert. Dann gibt es Gespräche mit Vertretern des Ministeriums vor Ort. (APA)

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