Gorbach: "Nur wenige hundert Frühpensionen"

20. August 2003, 14:08
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Minister will Zahl der Vorruhestände so gering wie möglich halten - AK-Kritik an ÖBB-Reform

Wien - Laut Infrastrukturminister Hubert Gorbach darf es im Zuge der ÖBB-Reform "nur wenige hundert Frühpensionierungen geben", geht aus einem Bericht der "Wiener Zeitung" vom Dienstag hervor. Zudem werde die Reform ab 2010 jährlich mindestens 500 Mio. Euro an Einsparungen bringen. 2007 sollen davon 200 bis 300 Mio. Euro realisiert werden, heißt es weiter.

"Ich suche den Konflikt nicht, scheue ihn aber auch nicht", wird Gorbach zitiert. Die ÖBB seien für Österreich wichtig, daher hoffe er auf ein Mitziehen der Gewerkschaft bei der Reform. "Wenn sie das nicht tut, werden wir klar machen, dass die Gewerkschaft mit ihrem veralteten Dienstrecht auf dem Holzweg ist - und das auch den Mitarbeitern sagen," so der Minister. Schließlich könne man über die ÖBB keine Glaskugel stülpen.

Transfer in die Industrie

Zu den heftig umstrittenen Frühpensionierungen meinte Gorbach, es dürfe nur wenige hundert geben. Von den insgesamt 12.000 bis 2010 abzubauenden ÖBB-Mitarbeitern fielen 7.000 durch den natürlichen Abgang weg. Weitere 5.000 sollten durch Optimierungen in den operativen Abläufen abgebaut werden. Geschehen soll dies laut Grobach über die Personalmanagment GesmbH., die Mitarbeiter umschulen und an die Privatwirtschaft verleasen soll. So signalisiere die Industrie, dass sie 3.000 bis 4.000 ÖBBler sofort als Facharbeiter brauchen könne.

"Offensichtlich ist, dass beim Personal nicht alles optimal gelaufen ist", übt Gorbach laut "Wiener Zeitung" Kritik am ÖBB-Mangament. Denn 6,3 Millionen Überstunden und ein gewaltiger Personalüberhang zur selben Zeit würden zeigen, dass etwas im Argen liege. "Das Management ist hier aufgerufen, diese Überstunden schleunigst abzubauen", so Gorbach, der aber klarstellt, dass der Vorstand sein volles Vertrauen besitze. Auf keinen Fall dürfe durch die ÖBB-Reform die künftige Führungsmannschaft mehr kosten als die bisherige. Gorbach: "Es kann nicht sein, dass unten gespart und oben geprasst wird."

AK-Kritik

Die Arbeiterkammer kritisierte hat am Dienstag die von der Regierung geplante ÖBB-Reform. Ein neues ÖBB-Modell sollte "mehr bringen als die Zerstörung eines funktionierenden Unternehmens, Verdoppelung des Benützungsentgeltes, Mehrbelastungen für Bahnkunden und Steuerzahler sowie die Zwangspensionierung arbeitswilliger Personen". Die Regierung sei aufgefordert, "endlich offensive Strategien für die Bahn und die Schieneninfrastruktur anzugehen", so die AK in einer Pressemitteilung.

Auf Grund der Einschnitte im Dienstrecht nach mittlerweile drei Pensionsreformen und einem massiven Personalabbau seit rund einem Jahrzehnt seien die Pläne, die einen Abbau eines Viertels der Belegschaft vorsehen, "keinesfalls nachvollziehbar". Ein derart massiver Personalabbau könne nur "mit einer deutlichen Leistungsrücknahme kompensiert werden". Die Regierung solle den täglich 200.000 Bahnfahrern erklären, "welches Angebot die ÖBB durch den verordneten Personalabbau zurücknimmt", meinte AK-Verkehrsexperte Gregor Lahounik. (APA)

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