Kontroversen nach Nahost-Diskussion

19. August 2003, 14:24
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Islamexperte sieht Öffnung der Hisbollah

Alpbach - Kontroversen hat am Freitag am Europäischen Forum Alpbach eine Diskussion über die Demokratisierung extremer islamistischer Gruppen ausgelöst. Für Aufsehen sorgte der deutsche Islamforscher Stephan Rosiny. Er sprach in den "Alpbach News", am Beispiel der radikalen libanesischen Schiiten-Organisation Hisbollah von einer "Öffnung für westliche Werte wie Demokratie, Völkerrecht und Gewaltenteilung".

Die Hisbollah, so Rosiny, habe den Versuch angestellt, gesellschaftliche und politische Realitäten an den Islam anzupassen. Noch in den 80er Jahren habe sich die Organisation als "Avantgarde der Entrechteten" verstanden. Im Laufe der letzten Jahre habe sich die Hisbollah aber an pragmatischere Vorhaben und Gesellschaftsentwürfe wie Demokratie und Gewaltenteilung für den Libanon angenähert. Heute, betonte Rosiny, "stellt sie die stärkste Fraktion im libanesischen Parlament und wird auch von Nicht-Schiiten und Säkularisten als sachbezogen, professionell und unkorrumpiert gelobt".

Kritiker hielten dem etwa Auszüge des niedersächsischen Verfassungsdienstes entgegen, wonach es weiterhin Ziel der Hisbollah sei, "Israel zu vernichten und die Herrschaft des Islam über Jerusalem zu errichten". Das Emblem der Hisbollah weise nach wie vor auf deren politische Ausrichtung hin: "Islamische Revolution im Libanon", meinen die Kritiker von Rosinys Aussagen.

Stephan Rosiny (41) ist seit Oktober 2000 wissenschaftlicher Assistent am Institut für Islamwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich des zeitgenössischen schiitischen Diskurses zu Religion, Politik und Gesellschaft. (APA)

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