ÖIAG prüft auch für Voest Umtauschanleihe

19. August 2003, 11:58
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20 bis 25 Prozent sollen vorrangig an ausländische Investoren verkauft werden

Wien - Die Aufregung um Brüsseler Auflagen bei der Voest-Privatisierung dürfte viel Lärm um nichts sein. Denn die Frage, ob es legitim ist, dass die Staatsholding ÖIAG einen Teil ihres 34,7-Prozent-Anteils verbindlich an eine österreichische Kernaktionärsgruppe verkauft, stellt sich offenbar nicht mehr.

Über das weitere Procedere haben sich die ÖIAG-Spitzen vor wenigen Tagen in einer Sitzung verständigt, bei der auch Investmentbanker von JP Morgan anwesend waren, erfuhr DER STANDARD aus ÖIAG-Kreisen. Demnach sollen 20 bis 25 Prozent der staatlichen Voestaktien über die Börse an institutionelle Investoren verkauft werden und zwar bevorzugt an ausländische. Abgewickelt werden soll der Deal in einer Art Auktion, bei der ein Preisband (Richtwert sind 35 bis 38 Euro) festgelegt wird.

Umtauschanleihe

Die verbleibenden zehn bis 15 Prozent der Voestalpine, sollen - nach dem Vorbild der kürzlich von der ÖIAG begebenen Umtauschanleihe auf Telekom Austria - via Umtauschanleihe verkauft werden. Diese soll eine Laufzeit von drei bis vier Jahren haben und danach in Voest-Anteilsscheine gewandelt werden. Der Vorteil für die nach Privatisierungserfolgen lechzende ÖIAG: Sie bekäme den Erlös sofort und könnte am Ende der Laufzeit entscheiden, ob sie die Anleiheinhaber in Voest-Aktien oder in Bargeld ausbezahlt. Dem Wunsch des Voest-Vorstands nach einem baldigen Abzug der Staatsholding entsprechend, präferiert man in Linz freilich eine Variante, wonach bereits jetzt fixiert wird, dass die ÖIAG wandeln muss. Andernfalls wäre der geordnete Rückzug des Staates nicht gewährleistet.

In Regierungskreisen sieht man die geplante Vorgangsweise sehr skeptisch. Es sei nicht Aufgabe der ÖIAG, Spekulationsgeschäfte zu machen, sagt ein langjähriger Kenner der Verstaatlichten in Anspielung auf Ölspekulationen der VoestAlpine-Intertrading in den 90er-Jahren. Eine solche sei eine Wandelanleihe aber, wenngleich eine weit weniger riskante, und eine besonders teure Finanzierungsform noch dazu. "Da verdienen doch nur die Banken." Im Aufsichtsrat der Wiener Börse goutiert man die Vorgangsweise ebenfalls nicht, man hätte sich einen breiten Börsengang gewünscht. "Jetzt macht das schlechte Beispiel Umtauschanleihe auch noch Schule." (ung, Der Standard, Printausgabe, 16.08.2003)

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