Sparkurs wirkt: Axel Springer steigert Gewinn um 25 Prozent

22. August 2003, 16:32
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Vorstandschef Döpfner wegen lahmer Konjunktur dennoch nicht optimistisch

Der drastische Sparkurs hat dem Medienkonzern Axel Springer im ersten Halbjahr 2003 ein deutliches Gewinnplus von 25 Prozent beschert. Trotz der schlechten Lage auf dem Medienmarkt steigerte Europas größtes Zeitungshaus ("Bild", "Die Welt") in den ersten sechs Monaten dieses Jahres seinen Überschuss auf 90 Mio. Euro (1. Halbjahr 2002: 72 Mio.), teilte der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner am Donnerstag in Berlin mit. Für das Gesamtjahr 2003 erwarte Springer ein Ergebnis über dem Wert des Vorjahres.

"Kein Anlass für Optimismus"

"Es besteht zwar kein Anlass für Optimismus, aber wir sehen Licht in der Mitte des Tunnels", sagte Döpfner in einer Telefonkonferenz. Es fehlten die Anhaltspunkte für eine fundamentale Trendwende der Konjunktur. Das "höchst erfreuliche Ergebnis" bei Springer gehe auf die konsequente Restrukturierung im Verlag zurück. Dazu zähle in diesem Jahr der Umzug zentraler Abteilungen von Hamburg nach Berlin.

Investitionen in weitere Titel

Der Umsatz lag mit 1,2 Mrd. Euro praktisch auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums (1,19 Mrd. Euro). Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITA) lag vor Sondererlösen bei 120 (1. Halbjahr 2002: 50) Mio. Euro. Allerdings könne aus dem Halbjahresergebnis nicht automatisch auf das Gesamtjahr 2003 geschlossen werden, sagte Döpfner. Bis zum Jahresende plane das Unternehmen Investitionen in weitere Titel.

Rekordverluste im Jahr 2001

Der Printkonzern hatte nach Rekordverlusten im Jahr 2001 mit Einsparungen, Personalabbau und der Trennung von Geschäftsbereichen dem Einbruch auf den Anzeigenmärkten gegen gesteuert. Im ersten Halbjahr 2003 habe der Konzern 9 Aktivitäten verkauft oder eingestellt und gleichzeitig die Erlöse zum Beispiel bei Zeitschriften für junge Leser deutlich verbessert. Gleichzeitig zog sich Springer unter anderem aus der TV-Produktion zurück und verkaufte seine Buchgruppe Ullstein List an die zu Bertelsmann gehörende Gruppe Random House.

Optimistisch blickte Döpfner auf die Auslandsaktivitäten. So prüfe der Verlag weiter die Gründung eines Tageszeitung in Polen und beobachte sehr genau den Markt in Russland. Zur Beteiligung an ProSiebenSat.1 sagte Döpfner, Springer halte 11,5 Prozent der Anteile am TV-Konzern indirekt über eine Zwischengesellschaft. Bei Verzicht auf Vorkaufsrechte auf weitere 16,5 Prozent könnte der Konzern weitere 2 Prozent an der Fernsehgruppe erhalten.

Zeitungen "dramatisch betroffen"

Dank der Steigerung der Vertriebserlöse um 5,5 Prozent auf 567 (1. Halbjahr 2002: 538) Mio. Euro, habe Springer im ersten Halbjahr das Minus bei den Anzeigenumsätzen von 5,5 Prozent auf 480 (508) Mio. Euro ausgleichen können. Vom Anzeigenrückgang seien weiterhin die Zeitungen "dramatisch betroffen", die bis zu drei Viertel ihrer Rubrikanzeigen verloren hätten. "Bild" und "Bild am Sonntag" blieben neben dem "Hamburger Abendblatt" oder der "Hörzu" und "Computerbild" die wichtigsten Geldbringer des Verlags.

Beim Ergebnis (EBITA) der Zeitungssparte legte Springer trotz eines leichten Umsatzrückgangs auf 647 (680) Mio. Euro deutlich um 88 Prozent auf 81 Mio. zu. Im Segment Zeitschriften konnte der Verlag das Ergebnis mit 35 (16.) Mio. Euro mehr als verdoppeln. Der Umsatz lag bei 373 Mio. Euro (366 Euro). Einen Abbau des Verlustes erreichte der Konzern bei den elektronischen Medien, der von 9 auf 1 Mio. Euro zurückging. Der Umsatz lag hier bei 29 (31) Mio. Euro. (APA/dpa)

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