Söldner in Syrien: Aus dem Lycée in den Jihad

23. Jänner 2014, 19:42
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Frankreich zeigt sich besorgt über die Anwerbung Jugendlicher für den syrischen Bürgerkrieg

Hakim, 15 Jahre alt, war ein Musterschüler. Er brachte die besten Noten nach Hause, galt als der Stolz seiner Familie, die aus dem Maghreb eingewandert und im südfranzösischen Toulouse bestens assimiliert ist. Jetzt ist Hakim in Syrien, um in einer Al-Kaida-nahen Jihadgruppe zu kämpfen.

Vor ein paar Tagen verreiste er mit einem Schulfreund aus dem gleichen Lycée, ohne jemanden über seine Pläne zu unterrichten. Der Vater fand heraus, dass die beiden Jugendlichen in die Türkei geflogen und von dort Richtung Syrien weitergereist sind.

Andere Franzosen sind ihnen vorausgegangen. 700 teilen Hakims Schicksal, wie Innenminister Manuel Valls diese Woche erklärte. Insgesamt sollen 1500 bis 2000 junge Europäer nach Syrien gepilgert sein, um sich am Kampf gegen den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad zu beteiligen. Viele kämpfen für die radikalsten Gruppen, Jabhat al-Nusra und Islamischer Staat im Irak und Syrien (Isis), die sich auf ihren schwarzen Bannern dem heiligen Krieg verschrieben haben.

Hakims Vater versteht die Welt nicht mehr. Sein Sohn habe sich nie für Religion interessiert und spreche nicht einmal Arabisch, sagte er diese Woche im TV. Hakim sei geschickt angeworben worden, zuerst via Internet mit "Selfies" von Jihadisten. Später habe man ihn dann einer richtigen Gehirnwäsche unterzogen.

Das Phänomen des Jihad-Tourismus aus Europa ist nicht neu. In Somalia, Afghanistan oder Mali hatten Islamisten fallweise westliche Kämpfer angeheuert. Sie waren aber nie sehr zahlreich – während der französische Geheimdienst in Syrien ein Massenphänomen feststellt. Im Internet locken Rekrutierungsseiten wie Reiseagenturen mit Gratisangeboten.

"Gefahr für nächste Jahre" 

Nach Darstellung von Minister Valls sind in den letzten Wochen ein Dutzend minderjähriger Franzosen nach Syrien gereist, 21 sollen gefallen sein. 76 Gotteskrieger sind laut Geheimdienst aus Syrien zurückgekehrt. Valls sieht in ihnen "die größte Gefahr, die in den kommenden Jahren auf uns zukommen wird", was Gewalt- oder Terrorakte betrifft.

Wenn der Fall Hakims Frankreich so beschäftigt, dann auch, weil aus seinem Wohnort Toulouse ein anderer Jugendlicher namens Mohamed Merah kam – 2012 brachte er drei jüdische Kinder und ebenso viele Soldaten um, bevor ihn die Polizei erschoss. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 24.1.2014)

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