Österreich kann Island nicht halten

18. Jänner 2014, 19:51
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Handball-Herren unterliegen im ersten Match der EM-Hauptrunde in Herning 27:33. Chancen auf den Sieg gab es von Anfang an nicht

Österreichs Handball-Männer sind bei der EM in Dänemark auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden. Die Truppe von Patrekur Johannesson musste sich zum Auftakt der Hauptrunde am Samstag Island mit 27:33 (9:17) geschlagen geben und ist damit in Gruppe I weiter punktlos. Erstmals im Turnier war die ÖHB-Auswahl klar überfordert und gegen die Isländer zu Zuschauern einer Lehrstunde verurteilt.

Bis zum Spiel gegen Weltmeister Spanien am Montag wartet auf das Trainerteam noch viel Arbeit. Zum Abschluss der Hauptrunde wartet dann am Mittwoch Ungarn. Die Chancen auf das Halbfinale sind aber nun auch theoretisch dahin.

Schwarzer Tag vorne...

Zwei Tage nach der unnötigen 21:22-Niederlage gegen Mazedonien beorderte Johannesson zu Beginn des Spiels gegen seine Landsleute vor rund 11.000 Zuschauern in Herning Maximilian Hermann und Fabian Posch in den Mittelblock. Im Angriff - die Formationen blieben vorerst gleich - kamen im Rückraum Vitas Ziura und Kapitän Viktor Szilagyi dazu. Doch das Personal wurde bald und beständig gewechselt, weil man keinen Fuß auf den Boden bekam. Sowohl im Angriff als auch in der Abwehr erwischte Rot-Weiß-Rot einen rabenschwarzen Tag.

Hermann, Ziura und der immer wieder mit der Brechstange agierende Szilagy konnten das Tempo selten anziehen, verzeichneten in der ersten Hälfte je drei Fehlwürfe, Fölser scheiterte zweimal vom Kreis. Auch der eingewechselte Janko Bozovic konnte an der mauen Vorstellung nichts ändern. So sorgten Szilagyi, Roland Schlinger (2) und Dominik Schmid vor der Pause für lediglich vier Rückraum-Tore. Spielerisch regierte zumeist Einfallslosigkeit.

...und hinten

Die Verunsicherung im Angriff setzte sich in der Defensive fort. Auch hinten agierte man zu statisch und viel zu wenig aggressiv, machte den Isländern das Leben sehr einfach. Palmarsson und Co. kamen zu vielen einfachen Toren. Weder Nikola Marinovic noch Thomas Bauer konnten daran etwas ändern. In der 27. Minute lag die ÖHB-Truppe zwischenzeitlich mit neun Toren im Rückstand.

Mit zwei schnellen Toren nach Wiederbeginn in Unterzahl keimte beim Stand vom 11:17 wieder etwas Hoffnung auf. Doch die währte nur kurz. Island zog wieder auf 22:13 (37.) davon und hielt von diesem Zeitpunkt an den Vorsprung fast immer bei zumindest sieben Treffern.

Schmid hinterließ positiven Eindruck

Lediglich Dominik Schmid (4 Tore) und der diesmal nicht nur von der Siebenmeter-Linie agierende Konrad Wilczynski (5) traten in der zweiten Hälfte einigermaßen positiv in Erscheinung. Im Finish kam Österreich, wohl auch, weil die Isländer einige ihrer Topspieler schonten, noch einmal auf fünf Tore heran (26:31/29.). Am ungefährdeten Sieg der Insel-Handballer änderte das aber nichts mehr. (APA, 18.1.2014)

Ergebnisse von der Handball-EM der Männer in Dänemark vom Samstag:

Hauptrunde, Gruppe I, in Herning:

Österreich - Island 27:33 (9:17)

Werfer: Wilczynski 6, Schmid 5, Szilagyi 4, Schlinger 3, Wöss, Ziura je 2, Hermann, Posch, Wagesreiter, Weber, Santos je 1 bzw. Topscorer Island: Sigurdsson 7, Gudmundsson 6

Mazedonien - Ungarn 25:31 (9:16)

Werfer: Pecakovski, Manaskov je 5 bzw. Csaszar 7, Ancsin, Nagy, Zubai je 4

Dänemark - Spanien 31:28 (16:14)

Patrekur Johannesson (Teamchef Österreich): "Island war heute einfach viel besser als wir. Wir hatten vor allem in der ersten Halbzeit große Probleme: Wir wussten, dass sie sehr schnell spielen, aber wir haben zu viele Zweikämpfe verloren. Die Spieler haben zu Beginn einfach nicht gekämpft, das hat mich sehr enttäuscht. In der Pause habe ich klare Worte gefunden. In der zweiten Halbzeit war es besser, Dominik Schmid oder Konrad Wilczynski haben ein gutes Spiel gemacht, aber Island hat heute verdient gewonnen, das müssen wir akzeptieren."

Dominik Schmid (Fünffachtorschütze Österreich): "Wir haben zu Beginn einfach nicht ins Spiel gefunden, hatten uns so viel vorgenommen, aber nichts hat funktioniert. Wir haben zu viele Fehler gemacht, wollten das Spiel ähnlich schnell gestalten wie Island, aber das ist uns nicht gelungen, dazu hat das Zuspiel zu unseren Flügelspielern nicht funktioniert, und wir sind dadurch gleich am Anfang in Rückstand geraten. In der zweiten Halbzeit hat es besser funktioniert, aber diesen Rückstand konnten wir nicht mehr aufholen."

Nikola Marinovic (Tormann Österreich): "Was soll ich sagen? Es war ein schlechtes Spiel. Wie spielen in diesem Turnier warm-kalt in der Abwehr. Von dem Rückstand ist es schwer, zurückzukommen. Es kann sein, dass uns das Mazedonienspiel viel Emotion und Kraft gekostet hat. Aber das muss man vergessen."

Olafur Gudmonsson (Sechsfachtorschütze Island): "Wir sind gut gestartet und wollten den Sieg einfach mehr. Sie haben den Willen verloren und nicht gekämpft. Wir haben dann immer weiter gemacht."

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    Steinn Gudjonsson im zweikampf mit Markus Wagesreiter.

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