Fußballerfrisuren

22. August 2003, 09:36
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Die Schuhe von Fußballern sehen zwar eigenartig aus, verfolgen aber - so sagt man - den gewissen Zweck

+++PRO
von Wolfgang Weisgram

Nein, über David Beckham, flankenschleudernder Womenizer, soll nicht geredet werden. Nicht hier. Nicht in diesem Zusammenhang. Das Einzige, das an ihm zu interessieren hat, ist sein rechtes Bein, in dem er mehr Gefühl hat als andere dort, worüber unlängst in Salzburg so niveauvoll debattiert worden ist. David Beckham darf also, wenn er oder sein angetrautes Spice Girl es wollen, sein Haar jederzeit zu einem unschwellbaren Hahnenkamm frisieren, so also ungefähr, wie früher die Neugeborenen von übereifrigen Hebammen zugerichtet wurden. Es darf sich auch Herr Ronaldo seinen Kopf rasieren, und wenn der Herr Aigner aus Untersiebenbrunn mit Zopf aufzulaufen gedenkt: kein Problem, solange seine Interwetten.com geigt wie zuletzt bei den BSV Juniors in Bad Bleiberg. Selbst Herr Schilcher, der Manager von Sturm Graz, darf sein Haar so gestalten, wie er es will, obwohl Herr Schilcher diesbezüglich vielleicht ein sehr schlecht gewähltes Beispiel ist.

Warum gerade die Frisuren von Fußballern ins Gerede gekommen sind, lässt sich nur schwer deuten. Wahrscheinlich steckt eine Mischung von frauenverachtendem Machismo und schlichter Stutenbeißerei dahinter. Jedenfalls wird so ein ganzer Berufsstand - der Coiffeurnachwuchs - madig gemacht: als handwerklich unbedarfte Stadiongroupies, die jede Gelegenheit, sich an einen diesbezüglich wehrlosen Kicker heranzumachen, im Wortsinn am Schopf packen. Dass die solcherart Gekaperten dann nach Herzenslust und vor allem -laune frisiert werden, schadet aber dem Spiel nicht. Jedenfalls so lange, als das Ganze nicht in einen Haarschnitt ausartet.

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CONTRA---
von Florian Holzer

Die Schuhe von Fußballern sehen zwar eigenartig aus, verfolgen aber - so sagt man - den gewissen Zweck, einen Ball korrekt treffen und mit reichlich Effekt ausstatten zu können. Und die Stöpseln unten dran dienen dazu, dass die Burschen am feuchten Gras nicht so rutschen. Nachvollziehbar. Weiters tun sich Fußballer so Schutzschilde unter die Stutzen, damit ihnen die Schuh-Stöpseln der anderen Spieler am Schienbein nicht wehtun können, und in den Schritt kommt auch so ein Suspensorium, weil die Wulle ja echt bös schnell sein kann. Gut, hätten wir noch Hose und Leiberl, die nach modernsten Kenntnissen gefertigt und also optimale Bewegungsfreiheit bei optimaler Körperbelüftung und optimaler Sponsoren-Präsenz garantieren. So weit, so professionell. Menschen, die ihren Sport derart ernst nehmen, sollen ruhig bezahlt werden wie Könige.

Aber warum bitte haben Fußballer Frisuren, die zu nichts anderem dienlich sind, als ihnen die Sicht auf die potenzielle Chance zu rauben (vor allem der italienische Spieler neigt da ja sehr dazu)? Oder warum wählen blonde Fußballer aus England eine Frisur in Form eines lustigen Haar-Giebels, der es rein logisch nur erschwert, einen Kopfball präzise ins Ziel zu lenken (Lob an dieser Stelle für die professionelle Einstellung von Zinedine Zidane)? Und gänzlich unverständlich wird die Sache, wenn sich Jugendliche oder Verwirrte in Anbetung ihrer sportlichen Idole die gleichen Frisuren wie Fußballer bauen lassen - und das in Österreich! Da sollten die Menschen doch eher Skifahrer-Frisuren oder Rennrodler-Frisuren tragen, könnte man meinen! (Der Standard/rondo/13/8/2003)

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