Neuer Streit um "Haus für Mozart"

19. August 2003, 00:51
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Salzburg: Protest einer Baufirma könnte Baubeginn blockieren - Bürgerliste prophezeit "Provinzposse mit internationaler Blamage"

Salzburg - Kaum ist der monatelange Streit zwischen den Architekten beigelegt, kriegen sich die Baufirmen um die Aufträge zum Um- beziehungsweise Neubau des Kleinen Festspielhauses in ein Haus für Mozart in die Haare.

Die im Ausschreibungsverfahren zweitgereihte Baufirma Porr-Hinteregger hat beim Bundesvergabeamt in Wien Einspruch gegen die Vergabe der Bauaufträge an die Salzburger Firma Kreuzberger eingelegt und Anträge auf einstweilige Verfügung sowie Nachprüfung gestellt. Es geht bei diesem Streit um ein Auftragsvolumen von 6,1 Mio. Euro.

Ausschreibungsfrage

Porr-Hinteregger begründete seinen Einspruch damit, dass die Kriterien des Bauherrn bei der Bewertung der Qualität und der Referenzliste der Bieter "nicht nachvollziehbar ist". Sollte das Bundesvergabeamt dem Antrag auf einstweilige Verfügung stattgeben, dann bedeutet das eine Verzögerung des Baubeginns um bis zu zwei Monate. Die Entscheidung der Vergaberichter soll bis Anfang der kommenden Woche fallen.

"Neue Provinzposse"

Salzburg steuere mit den Vorgängen um das "Haus für Mozart" auf eine neuerliche Provinzposse mit internationaler Blamage für das Mozartjahr 2006 hin, kritisierte Bürgerlisten-Klubobmann Helmut Hüttinger in einer Aussendung. Die Bürgerliste forderte die Verantwortlichen auf, das Holzbauer-Projekt zu stoppen, den Auftrag mit den Architekten Holzbauer/Valentiny zu beenden, ein offenes Verfahren mit einer Fachjury durchzuführen und den Baubeginn nach dem Mozartjahr 2006 festzulegen.

Durch den Einspruch der zweitgereihten Baufirma gegen die Auftragsvergabe würden die tönernen Beine, auf denen die gesamte Planung stehe, eindeutig sichtbar, meinte Hüttinger. "Bisher konnten die Verantwortlichen noch so tun, als hätten sie alle Probleme, was Finanzierung und Zeitrahmen betrifft, gelöst. Heute zeigt sich der Öffentlichkeit wieder ein anderes Bild."

Selbst wenn auf Kosten der Qualität Einsparungen gemacht wurden, um das umstrittene Projekt durchzudrücken, könne sich die zeitliche Verzögerung durch diesen Einspruch der Baufirma als katastrophal für den geplanten Eröffnungstermin erweisen, warnte der Bürgerlisten-Sprecher.

Noch vor ein paar Monaten hätten Diederichs & Partner davon gesprochen, dass der vertraglich vereinbarte Terminrahmen als Randbedingung so knapp bemessen sei, dass deren Ansicht nach keine ausreichenden Spielräume für einen grundlegend neuen Lösungsvorschlag mehr gegeben sei, erinnerte Hüttinger. Seiner Ansicht nach würde diese Einschätzung auch auf eine Zeitverzögerung bedingt durch einen eventuellen Wechsel bei der Baufirma gelten.

"Unerfreulich"

Als "unerfreulich" bezeichnete Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (S) den Einspruch der Baufirma Porr-Hinteregger gegen die Vergabe der Umbauarbeiten am Kleinen Festspielhaus. Auch wenn der Einspruch den Baubeginn um Monate verzögern könne, könne man sich nicht wehren, erklärte Schaden.

Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler war für eine Stellungnahme bisher nicht erreichbar.

"Die Architekten Holzbauer und Valentiny haben die Angebote der Firmen bewertet, wir haben sie geprüft und abgesegnet", sagte Anna Hofstätter, Geschäftsführerin der "Haus für Mozart - Kleines Festspielhaus Umbau- und Verwaltungsgesellschaft": "Bis morgen, Donnerstag, (14.8.) müssen alle Unterlagen zur Überprüfung nach Wien geschickt werden, dann können wir nur noch hoffen, dass die Bauarbeiten wie geplant am 15. September beginnen können. Jeder Tag Verzögerung bringt uns in ärgste Bedrängnis: Es wäre eine Katastrophe, wenn das Haus entweder im Jahr 2006 deswegen nicht fertig, oder das Haus im Jahr 2004 nicht bespielbar wäre", so Hofstätter. (APA)

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