ÖBB-Chef antwortet

13. Jänner 2014, 18:05
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derStandard.at: Ich habe Ihnen wie gesagt ein paar Kritikpunkte der Leser und Leserinnen mitgebracht.

Kritk: Eklatanter Qualitätsunterschied zwischen Fernverkehr (sehr gut) und Pendlerverkehr.

Kern: Wir wissen, dass wir was das Wagenmaterial im Nahverkehr betrifft, aber vor allem im Bereich Schlafwägen etwas tun müssen. Wir haben die Investitionsentscheidungen bereits getroffen und bei Siemens 100 Siemens Desiro MainLine Nahverkehrszüge bestellt. Das wird ab 2015 eine neue Zeitrechnung auch für den Nahverkehr werden. Der Zug wird sehr schön und auf Augenhöhe mit dem Railjet sein. Wir haben mit Spirit Design eine junge Designfirma aus Linz engagiert. Das was hier formuliert wurde, wird übrigens auf den großen Pendlerrouten so nicht von allen empfunden. Unser Zuwachs findet vor allem im Nahverkehr statt. Wir haben hier die Pünktlichkeit massiv gesteigert. Wir haben mit den Dostos (Anm. Doppelstock-Wendezug) einen Zug der exzellent benotet wird, genauso wie der Railjet. Wir haben also in Teilen tatsächlich Nachholbedarf, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das in den nächsten zwei drei Jahren lösen können.

Kritk: Der Railjet fährt durch Deutschland nur mit rund 100 km/h und von Innsbruck bis Bregenz ist es kaum auszuhalten - so ein Bummelzug. Immer wird nur in Ostösterreich investiert um noch ein paar Minuten zu gewinnen!

Kern: Stimmt nicht. Auf diese Kritik hätte ich jede Menge Kritik parat, die das Gegenteil besagt. Ich hab die Kisten weggeräumt mit den Petitionen, für zusätzliche Halte  in Kufstein, Wörgl und Jenbach. Wir haben uns jetzt entschieden, da zusätzliche Halte einzuführen. Mit der Unteren Inntaltrasse  und dutzenden  neuen Bahnhöfen und Terminals haben wir übrigens genauso im Westen investiert.

Kritk: Zum Railjet: Unbequeme Sitze, im Sommer oft viel zu kalt.

Kern: Die Temperatur ist regelbar. An sich stellen wir das so ein, dass die Mehrzahl der Leute das als angenehm empfindet. Das ist schon eine sehr subjektive Einschätzung. Die Sitze sind unbequem?  Ich gebe aber schon zu: Der Zug ist vor zehn Jahren konfiguriert worden, möglicherweise hätte man bei den Sitzen das eine oder andere anders lösen können. Aber es ist der Zug mit der höchsten Beliebtheit und der besten Auslastung in ganz Österreich.

Kritk: Das gesamte Bonus-Punkte-Programm wurde abgeschafft.

Kern: Ja, das war nicht gut. Wir arbeiten an einer Alternative.  Die wird kommen.

Kritk: Es werden keine Tarifkilometer mehr veröffentlicht. Preisvergleiche sollen so verhindert werden.

Kern:  Ich wundere mich, warum das mit Preisvergleichen zu tun hat. Man kann sich das ja im Internet problemlos ausrechnen.

Kritk: Die ÖBB haben die Gültigkeit von einfachen und Rückfahrkarten auf  zwei Tage reduziert, ohne die Kunden entsprechend zu informieren.

Kern: Wir haben in der Mehrzahl die Rückfahrgültigkeit auf zwei Tage verlängert. Bei den Nahverkehrstickets war das nur ein Tag.  Jene, wo wir das verlängert haben,  nehmen das wortlos zur Kenntnis, dort wo das gekürzt wurde – das sind weniger als 20 Prozent der Fahrkarten -  gibt es Beschwerden. Das ist übrigens auch ein Vereinheitlichungsschritt. Wir hatten fünf verschiedene Gültigkeitsregelungen, jetzt haben wir nur noch eine.

Kritk: Ich ärgere mich immer wieder über Lärmschutzwände in der Pampa und die Einstellung von regionalen Seitenlinien ...

Kern: Lärmschutz – ein Klassiker. Ja, ist nicht immer optimal fürs Landschaftsbild, aber stricktest erwünscht von den Menschen, die dort in der Gegend wohnen. Wir pflanzen nicht eine Lärmschutzwand irgendwohin, ohne dass der Bedarf seitens der Anrainer formuliert worden ist. Was die Einstellung der regionalen Seitenlinien betrifft: Das Programm ist mehr oder weniger abgeschlossen. Da wird es vielleicht noch Einzelfälle geben, die wir überprüfen. Das Ziel ist, das Netz möglichst im heutigen Umfang zu behalten.

Kritk: Im Ruheabteil hält sich niemand an das Telefonier- und Musikabspielverbot. Über die jetzt wieder voll im Trend stehenden Kopfhörer tönt Musik in schlechtester Ton-Qualität. Die durchaus gute Musik dringt nur teilweise nach außen, was selbst den besten Song zur Qual für die Nachbarn macht...

Kern: Es ist leider so: Manche Leute tun sich schwer an die Regeln zu halten. Das bedaure ich wirklich. Aber wir werden unsere Zugbegleiter noch einmal instruieren, da genau drauf zu schauen. (rebu, derStandard.at, 13.1.2014)

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