Österreich startet fulminant in die EM

12. Jänner 2014, 23:36
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ÖHB-Team deklassiert zum Auftakt der EM in Dänemark Tschechien mit 30:20. Marinovic, Schlinger und Weber als Väter des Triumphes

Herning - Es ist die Fortsetzung eines Märchens, das für Österreich 2010 bei der Heim-EM begonnen hat: Jetzt, vier Jahre später ist Rot-Weiß-Rot (schon) wieder bei einer Europameisterschaft und diesmal findet sie auch in einem Mekka des Handballsports statt. Und geht mit einem perfekten Start für Österreich los: Zum Auftakt gab es einen klaren 30:20 (15:10)-Erfolg gegen Tschechien. Und siehe da, auch die Dänen lockte das österreichische Nationalteam. Die Halle in Herning war bereits vor dem Hauptabendspiel Dänemark gegen Mazedonien fast ausverkauft. Minder brisant war die Auftaktpartie gegen Tschechien ja nicht. In welche Richtung dieses Turnier für Österreich geht, sollte sich am ersten Tag zeigen. Siegen oder nun ja, fast schon fliegen. Der Partie gegen Dänemark am Dienstag kann Österreich nun entspannt entgegenschauen.

Negieren konnten die Spieler die Nervosität freilich nicht. Roland Schlinger hat am Abend davor von großer Anspannung gesprochen: „Wirklich locker kann man in so ein wichtiges Spiel eigentlich unmöglich gehen."

Marinovic und Schlinger von Beginn

Österreich startet geduldig, Kapitän Viktor Szilagyi dirigierte das Spiel von Beginn weg und eröffnete selbst zur 1:0-Führung. Marinovic bekam seine Griffel gleich an einen tschechischen Wurf, sein Selbstvertrauen war sofort da. Die Tschechen zeigten nur in den Anfangsminuten auf, als sich deren mächtigster Mann, Filip Jicha, zum Torerfolg raufte. Nach zehn Minuten führten die Tschechen noch mit zwei Goals Vorsprung (3:5), danach kamen sie aber immer öfter in Einzelaktionen nicht mehr zum Erfolg. Österreichs Verteidigung formierte sich zu einer Wand und im Angriff fielen endlich auch die Tore.

Nach einer Traumkombination im Gegenstoß der Österreicher über Robert Weber sprang Raul Santos so hoch wie eben nur er springen kann und brachte Österreich 8:6 in Führung, legte kurz darauf zum 9:6 nach. Tschechien schaffte es in einer Phase über 13 Minuten nur zwei Tore zu erzielen. Mann der ersten Halbzeit bei Österreich war der bärenstarke Roland Schlinger, er entließ seiner Wurfhand vier Granaten, alle drin. Pausenstand 14:9.

Zerlegen

In dieser Tonart sollte es in der zweiten Halbzeit weitergehen, Tschechien packte die Brechstange aus, Österreich ließ sich aber nicht aufmachen. Im Gegenteil: Österreichs Vorsprung wuchs dank Schlinger und zweimal Robert Weber auf sieben Tore (18:11 nach 35 Minuten). Der Drops war gelutscht. In der Folge wurde Tschechien geradezu zerlegt, deren Schlüsselspieler Jicha sah die letzten zehn Minuten nur mehr von der Bank aus. Am Ende krönte Österreich seine perfekte Vorstellung, mit dem Schlusspfiff leuchtete ein 10 Tore-Vorsprung vom fetten Fernsehwürfel in der "Jyske Bank Boxen". So kann es weiter gehen.

Dänen feiern auch

Titelfavorit und Gastgeber Dänemark hat den Auftakt erwartungsgemäß ebenfalls erfolgreich absolviert. Vor 14.000 Zuschauern siegten Mikkel Hansen und Co. im Abendspiel der Österreich-Gruppe gegen Mazedonien mit 29:21 (12:8). Platz eins nach dem ersten Spieltag gehört nach dem 30:20-Erfolg über Tschechien aber der ÖHB-Auswahl.

Herning

Herning bleibt trotz der Euro Herning. Die Dänen sind gut motorisiert, wer im ewigen Flachland kein Auto hat, fährt entweder Fahrrad oder gar nicht. Einen Shuttlebus zur Halle sucht man vergeblich, am Busbahnof herrscht eine Linienfrequenz wie in Gramatneusiedl. Ungefähr jede Stunde einmal in alle Himmelsrichtungen. Taxis sind ein Geheimtipp, verrechnen EM-Tarife.

Im Zentrum hörte man bis Sonntagabend noch jede Münze auf den Boden fallen. Vielleicht ändert sich das ja noch im Verlauf des Turniers. Vielleicht müssen sich die Dänen erst aufwärmen. Österreich ist auf jeden Fall schon heiß. (Florian Vetter aus Herning, derStandard.at, 12.01.2013)

Ergebnis der Handball-EM der Männer in Dänemark vom Samstag:

Gruppe A, in Herning:

  • Tschechien - Österreich 20:30 (9:14)

Tore: Jicha 6, Horak 5, Sobol 4, Jurka 2, Kasal 2, Babak 1 bzw. Weber 7, Schlinger 6, Szilagyi 6, Santos 5, Posch 3, M. Hermann 1, Kolar 1, Ziura 1

  • Dänemark - Mazedonien 29:21 (12:8)

Tore: J Mortensen 5, Hansen 4, Lindberg, Toft Hansen, Knudsen je 3 bzw. Lazarov 7, Stojchevski 3

Patrekur Johannesson (ÖHB-Teamchef): "Kompliment an die Mannschaft. Man merkt, dass wir eine gute Einheit sind. Jeder ist bereit, für den nächsten zu arbeiten. Deshalb hat eine Mannschaft wie Österreich die Chance gegen eine große Nation wie Tschechien. Ich schaue jetzt aber nicht auf die Hauptrunde, sondern auf das nächste Spiel. Man soll das jetzt genießen. Wir können stolz sein auf diese Leistung. Da waren schöne Szenen dabei."

Nikola Marinovic (ÖHB-Torhüter): "Ich muss meiner Abwehr ein riesengroßes Dankeschön aussprechen. In der ersten Hälfte habe ich nicht so viele Bälle gehalten, aber da sind wir hinten sehr gut gestanden. Es war eine überragende Mannschaftsleistung. Ich bin wirklich stolz, dass wir uns so präsentiert haben. Ich glaube, dass das ein großer Schritt in die Hauptrunde war. Wir sind hinten so gut gestanden, dass die Tschechen keine Lösung gehabt haben. Wir haben uns wirklich wie eine Mannschaft präsentiert. Wir haben auch nach vorne sehr geduldig gespielt."

Robert Weber (Bester ÖHB-Werfer): "Wir haben ein Ausrufzeichen gesetzt. Jetzt sind die Leute gewarnt vor uns. Super, wenn man sieht, wie leicht es uns in der zweiten Hälfte teilweise gefallen ist. Das war genial. Der Teamgeist war heute das Um und Auf. Wir haben Jicha fast komplett rausgenommen."

Viktor Szilagyi (ÖHB-Kapitän): "Als Kapitän erfüllt mich das mit unglaublichem Stolz. Ab der ersten Minute hat jeder für den anderen gefightet. Es war eine wahnsinnig starke, mannschaftlich geschlossene Leistung mit einem überragenden Torhüter, der noch einmal herausgestochen ist. Es ist ein fantastisches Gefühl, so in ein Turnier zu starten. Man hat in den letzten Monaten, Wochen und vor allem Tagen gemerkt, was für ein Geist in dieser Mannschaft steckt."

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    In Dänemark angekommen: Robert Weber und Viktor Szilagyi.

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    Gut drauf: Roland Schlinger.

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    Finaler Jubel der Österreicher.

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