Studie: Nur Osteuropäer sind wirklich mobil

12. Jänner 2014, 17:28
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Lediglich osteuropäische Migranten suchen in größerem Ausmaß grenzüberschreitend Arbeit und gleichen damit Ungleichgewichte aus

Paris/Wien - Die EU profitiert besonders von Zuwanderern aus Osteuropa. Das zeigt eine aktuelle Studie der Pariser Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). In einem Arbeitspapier, das dem STANDARD vorliegt, weisen vier Ökonomen nach, dass gerade Migranten aus Osteuropa der Union gut tun. Sie würden die Ungleichgewichte in der Währungsunion mit ihrer Mobilität in besonderem Maße ausgleichen. Sprich: Sie entlasten die Arbeitsmärkte der Länder, die sie hinter sich lassen, und nehmen in den Zielländern oft Jobs an, die sonst schwer zu besetzen wären.

Die Ergebnisse sind angesichts der aktuellen Debatte um Arbeitskräfte aus Rumänien und Bulgarien interessant. Seit Anfang des Jahres dürfen Personen aus den zwei EU-Ländern uneingeschränkt auch in Österreich oder Deutschland arbeiten.

Dabei ist der "europäische Arbeitsmarkt" aber nach wie vor gespalten und Jobchancen sind sehr ungleich in der Union verteilt. In Griechenland ist mehr als jeder Vierte arbeitslos, in Österreich beträgt die Arbeitslosenrate hingegen nur 4,8 Prozent nach EU-Definition. Für Ökonomen und aus gesamteuropäischer Sicht würde es daher Sinn machen, wenn deutlich mehr Europäer über die eigenen Landesgrenzen hinweg nach Arbeit suchen würden. Dann würden sie nicht nur die nationalen Budgets entlasten, die angesichts hoher Arbeitslosenunterstützung angespannt sind, sondern zugleich auch den Mangel an gut ausgebildeten Arbeitnehmern in einzelnen Sektoren und Volkswirtschaften ausgleichen.

Doch die OECD-Studie von Julia Jauer, Thomas Liebig, John P. Martin und Patrick Puhani zeigt auch, dass der Traum flexibler Arbeitsmärkte in Europa kaum gelebt wird. Gerade aus Südeuropa würden demnach relativ wenige Menschen Arbeit in einem anderen Land der Eurozone annehmen. Gerade einmal 0,06 Prozent der Einwohner der Eurozone haben im Jahr zuvor noch in einem südeuropäischen Land gelebt. Insgesamt liegt die so definierte Quote der mobilen Arbeitskräfte in den Staaten der EU-27 und der Freihandelszone EFTA bei knapp 0,2 Prozent. Das zeigen Daten aus 2011 und 2012. Seit 2006 ist die Mobilität in Europa aber leicht gestiegen, haben die OECD-Ökonomen gemessen.

EU-Mobilität ist relativ gering

Doch im internationalen Vergleich hinkt Europa hinterher. In den USA sind zehnmal so viele Arbeitskräfte mobil, 2,7 Prozent der Bevölkerung. Die innerstaatliche Migration sei nach wie vor "erheblich größer" in den USA als in Europa, schließen die Studienautoren. Dabei würde ein flexibler Arbeitsmarkt zu einer funktionierenden Währungsunion gehören.

Die Studienautoren gehen davon aus, dass die Migration aus südeuropäischen Ländern deutlich zunehmen dürfte, wenn die Arbeitslosigkeit in Ländern wie Spanien hoch bleibe. Die Migration von Arbeitskräften könnte helfen, die Unterschiede auf den Arbeitsmärkten schneller zu reduzieren. (sulu, DER STANDARD, 13.1.2014)

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    Aktuell wird über Arbeitsmigration aus Bulgarien und Rumänien gestritten, aber Europas Arbeitsmarkt bleibt nach Ländern zerklüftet.

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