Kandidatenflut in Kalifornien könnte Wahlchaos bringen

21. August 2003, 20:25
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Es herrscht reges Interesse am Job des demokratischen Noch-Gouverneurs Gray Davis

Eine Recall-Wahl, wie sie den Kaliforniern am 7. Oktober ins Haus steht, ist ein historisches Novum. Mangelnde Erfahrung mit dem Verfahren und eine hohe Anzahl von Kandidaten könnten dafür sorgen, dass wieder einmal eine größere US-Wahlkonfusion bevorsteht.

Sacramento/Wien – Die langen Wochen des Winter 2000/2001 sind noch nicht vergessen. Damals war es im Endspurt der Präsidentenwahl zwischen dem Republikaner George W. Bush und dem Demokraten Al Gore aufgrund von Auszählungsfehlern und der veralteten Ausstattung vieler Wahllokale zu einem beispiellosen Wahl-Tohuwabohu gekommen, das schließlich erst durch ein – umstrittenes – Urteil des Obersten Gerichtshofs beendet werden konnte. Damals war viel davon die Rede, dass die Infrastruktur amerikanischer Wahlzellen auf Vordermann gebracht werden müsse. Dennoch befürchten nun einige US-Medien, dass es bei der kalifornischen Gouverneurswahl am 7. Oktober erneut zu chaotischen Verhältnissen kommen könnte.

Pro und kontra

Zunächst ist die Recall- Wahl, die in einem zweistufigen Verfahren erfolgt – Pro- oder-kontra-Entscheidung über die Abwahl von Gouverneur Gray Davis plus die Wahl eines Kandidaten, der ihn ersetzen sollte –, eine historische Premiere, sodass keine Erfahrungen über das Verfahren vorliegen. Dazu gibt es eine außerordentlich hohe Anzahl von bis zu 200 Kandidaten, die vor allem durch die bescheidenen gesetzlichen Voraussetzungen, welche das kalifornische Gesetz an seine Gouverneursanwärter stellt, zustande kam.

Laut L. A. Times könnte es dadurch vor allem in jenen Wahlbezirken, wo die Wahlzettel durchgestanzt werden müssen, zu Schwierigkeiten kommen. Für zusätzliche Konfusion sorgt, dass die Kandidaten nach einem hochkomplexen Verfahren gereiht werden, bei dem teils mit einem Zufalls-, teils mit einem Rotationssystem gearbeitet wird, sodass kaum zu kalkulieren ist, an welcher Stelle welcher Kandidat in welchem Wahlbezirk auftauchen wird.

Kevin Kelley, der mit der Wahldurchführung beauftragte kalifornische Innenminister, rechnet jedenfalls nicht mit einem reibungslosen Ablauf: "Das wird Probleme geben", zitiert ihn die New York Times. Am Montag wurden indes 96 Kandidaten bereits amtlich bestätigt, mindestens 95 weitere sind noch in der Pipeline. Wie berichtet, versuchen die kalifornischen Demokraten unterdessen, aus Arnold Schwarzeneggers Unterstützung für die so genannte Proposition 187, welche Einwanderern manche Sozialleistungen verwehrt hätte, politischen Profit zu schlagen. Der von der Abwahl bedrohte Davis nannte das Abwahlverfahren eine "Beleidigung" der Wähler, die im Vorjahr ihre Stimme für ihn abgegeben hatten.

Enormes Interesse

Schwarzenegger selbst war am Montag in New York unterwegs, um sozial benachteiligte Kinder zu besuchen. "Arnie" hatte vor rund zehn Jahren in Los Angeles eine wohltätige Initiative für die Freizeitbetreuung von Kindern aus armen Familien ins Leben gerufen. Er weitete das Projekt später auf weitere Staaten aus. Die Visite stieß auf riesiges Medieninteresse, Schwarzenegger war allerdings nicht bereit, auf Reporterfragen zu antworten. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2003)

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    Ein wenig Human Touch kann niemals schaden: Der Wahlkämpfer Arnold Schwarzenegger präsentiert sich in New York von seiner freundlichsten Seite.

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