ProSiebenSat.1-Übernahme perfekt

13. August 2003, 19:54
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US-Milliardär Haim Saban hat kolportierte 525 Millionen Euro für Deutschlands größten TV-Konzern überwiesen

München - Die Übernahme von ProSiebenSat.1 durch den US-Milliardär Haim Saban ist eine Woche nach der Zustimmung des Gläubigerausschuss perfekt. Am Montag ging Sabans Überweisung bei KirchMedia ein und im Gegenzug wurde dem Medienunternehmer aus Beverly Hills das Aktienpaket mit der Stimmrechtsmehrheit an Deutschlands größten Fernsehkonzern übertragen, wie KirchMedia-Sprecher Rudolf Wallraf am Dienstag bestätigte. "Der Kaufpreis ist geflossen, die Aktien wurden am Montagabend gegen 19.30 Uhr übertragen."

"Das Geschäft ist vollzogen"

Auch Saban-Sprecherin Lisa Ramelsberger betonte, "das Geschäft ist vollzogen". Über den Kaufpreis für das erste Paket mit 72 Prozent der Stimmrechte und 36 Prozent des Grundkapitals an ProSiebenSat.1, der nach Branchenangaben bei 525 Mio. Euro liegen soll, wollten beide Seiten keine Angaben machen.

Allerdings bestätigte die internationale Anwaltsozietät Ashurst Morris Crisp, die Sabans amerikanische Finanzpartner beraten hatte, dass das Transaktionsvolumen insgesamt bei einer Mrd. Euro liegt: Neben der Summe für das erste Aktienpaket, der Erwerb der weiteren 14,5 Prozent, die derzeit indirekt von KirchMedia und dem Axel Springer Verlag gehalten werden, sowie einer anschließenden Kapitalerhöhung von 280 Mio. Euro.

Größter deutscher Fernsehkonzern

Insgesamt wandert bei dem größten Deal der deutschen Fernsehgeschichte mit der Senderkette um ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 damit praktisch die Hälfte des inländischen Privatfernsehmarktes in amerikanische Hände. Gemessen am Umsatz ist ProSiebenSat.1 mit 1,8 Mrd. Euro im vergangenen Jahr der größte deutsche Fernsehkonzern noch vor der RTL-Gruppe.

Sabans Holding, an der sechs US-Investmentfirmen beteiligt sind, kündigte zugleich Pflichtangebot an alle Aktionäre von ProSiebenSat.1 an. Zur Höhe wollte Sprecherin Ramelsberger keine Angaben machen: "Wir werden das Angebot innerhalb der nächsten vier Wochen bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht einreichen."

Vertragsverpflichtungen

Das Angebot soll den Angaben zufolge einem nach dem Umsatz gewichteten Durchschnittskurs der letzten drei Monate entsprechen. In Branchenkreisen wurde am Dienstag damit gerechnet, dass es damit unter dem aktuellen ProSiebenSat.1-Kurs von zuletzt 7,50 Euro, zugleich aber über sechs Euro liegen werde. Saban betonte zudem, dass die stimmrechtslosen Vorzugsaktien der Kleinaktionäre nicht in Stammaktien umgewandelt werden.

Mit der Fernsehkette übernahm Saban zugleich Vertragsverpflichtungen von ProSiebenSat.1 für mehr als 2.000 Spielfilme und rund 130 Serien aus der ehemaligen Filmbibliothek Leo Kirchs. Nach Angaben von KirchMedia-Sprecher Wallraf beläuft sich das finanzielle Volumen des Zehnjahresvertrag auf 80 bis 90 Prozent der Summe, die Saban im Frühjahr für den Kauf der gesamten Filmbibliothek geboten hatte.

Insolvenzverwalter Michael Jaffe und KirchMedia-Manager Hans-Joachim Ziems versuchen nun, auch die restlichen über 15.000 Filme, sowie umfangreiche Rechte für Video-, DVD- und Auslandslizenzen aus Kirchs Filmrechtehandel zu verkaufen. "Wir erwarten, dass dabei erheblich mehr herauskommt, als beim damaligen Preis der im Vertragswerk mit Saban ausgehandelt war", betonte Sprecher Wallraf. Die Investmentbank UBS Warburg werde erneut das Bieterverfahren abwickeln, für das sich bereits mehrere Interessenten gemeldet hätten. (APA/AP)

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