Wandermuschel: Störenfried in heimischen Gewässern

14. April 2004, 11:56
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Großmuscheln sind in den Seen des Flachgaus stattdessen seltener geworden - als Bioindikatoren haben sie eine wichtige Filterfunktion

Salzburg - Während die kleinen Wandermuscheln - ihr wissenschaftlicher Name ist Dreissena polymorpha - in den heimischen Gewässern immer mehr zu einer Plage wird, sind die Großmuscheln als natürliche Bewohner unserer Seen immer seltener. Am Institut für Zoologie der Universität Salzburg ist ein Forscherteam unter Robert Patzner derzeit mit der Erfassung der Muschelvorkommen beschäftigt.

Die Wandermuschel tauchte Mitte der siebziger Jahre, wahrscheinlich mit Booten aus dem Mittelmeer eingeschleppt, in Salzburg auf. Sie vermehrt sich massenweise in heimischen Seen, bedroht heimische Arten und sorgt bei Badenden für Ärger: Die spitzen Schalen haben schon so manche blutende Wunde an den Füßen von Badegästen verursacht. Die Wandermuscheln sind auch bei der Wasseraufbereitung, in der Fischerei und der Schifffahrt ein Problem, erklärt Patzner. Möglichkeiten, die Ausbreitung der Wandermuschel einzudämmen, gibt es kaum. Die Tiere haben zu wenige natürlichen Feinde.

Gemeine Flussmuschel verschollen

Ganz anders die Situation bei den heimischen Großmuscheln, den Najaden. Sie sind in den vergangenen Jahren in den Seen des Flachgaus seltener geworden, weiß Patzner. In Salzburg kommen mit Sicherheit noch die Gemeine Teichmuschel, die Große Teichmuschel sowie die Gemeine Malermuschel vor. Die Gemeine Flussmuschel gilt als verschollen. Eine andere Art, die Chinesische Teichmuschel, wurde vor einigen Jahren über Ungarn nach Österreich eingeschleppt. Die Kartierung soll klären, ob diese Art mittlerweile auch schon in Salzburg zu finden ist.

Salzburg ist das einzige Bundesland, in dem die Najaden in bis Mitte der fünfziger Jahre fast flächendeckend erfasst wurden. Danach gab es nur Einzeluntersuchungen. Die neuerliche bundeslandweite Kartierung liefert wichtige Vergleichsdaten und erlaubt Aussagen über den Zustand der Ökosysteme.

Bioindikatoren

Die Najaden gelten als Bioindikatoren. Man kann von ihnen auf die Qualität eines Gewässers schließen. Muscheln haben eine wichtige Filterfunktion: Eine einzige Teichmuschel hat eine Filterleistung von über 40 Litern pro Stunde. In den größeren Salzburger Seen leben mehrere Millionen Muscheln, die Wasser von Sink- und Abfallstoffen säubern. Die Najaden reagieren aber auch sehr empfindlich auf Veränderungen im Gewässer und sterben ab, weil sie ihren Standort nicht wechseln können.

Fischer und Taucher berichten, dass sie vermehrt leere Muschelschalen in den Salzburger und Oberösterreichischen Seen finden, weiß Patzner. Die Kartierung soll auch klären, wie groß die Population von Jungmuscheln ist. Sterben die Großmuscheln aus, ist auch der Bitterling, ein Kleinfisch, der auf der "Roten Liste" steht, und die Teich- oder Malermuscheln benötigt, um dort seine Eier abzulegen, in seiner Existenz gefährdet. (APA)

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