Sharon warnt vor Ende des Friedensprozesses wegen Terrors

12. August 2003, 20:12
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Sharon: Autonomiebehörde vernachlässige ihrer Aufgaben - Abbas beendet Besuch in Katar vorzeitig und verurteilt jüngste Anschläge aber auch Provokationen Israels

Jerusalem - Eine Fortsetzung des Nahost-Friedensprozesses ist nach Worten des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon unmöglich, solange die palästinensischen Terroranschläge andauern. Sharon bekräftigte nach den Selbstmordanschlägen auf Israelis am Dienstag seine Forderung nach einem energischen Kampf der Autonomiebehörde gegen die Extremistengruppen.

Die palästinensische Führung müsse "zuerst die Terrorgruppen zerschlagen, ihre Waffen konfiszieren und den Terror ohne Kompromisse bekämpfen", sagte Sharon. "Leider nimmt die Autonomiebehörde diese Aufgaben nicht ernst." Israel werde daher den Kampf gegen den Terror selbst fortsetzen.

Die Palästinenser riskierten, "nicht das zu bekommen, was sie wollen", wenn der Terror nicht aufhöre, warnte der Premier. "Wenn die Palästinenser nicht ihre Pflicht erfüllen, können wir trotz unserer großen Bereitschaft den Friedensprozess nicht fortsetzen." Abu Dhabi - Nach den jüngsten Selbstmordanschlägen im Nahen Osten will der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas einen Besuch in der Golfregion vorzeitig beenden.

Abbas verurteilt Angriffe

Abbas brach indessen seinen Besuch in der Golfregion vorzeitig ab: "Ich verkürze meinen Besuch und werde im Laufe des Tages nach Hause zurückkehren", sagte Abbas, der sich in Katar aufhielt, der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. "Ich verurteile die beiden Angriffe gegen Israelis und ich verurteile auch die andauernden israelischen Provokationen." Die Palästinsener-Regierung werde hart daran arbeiten, die Feuerpause und die Ruhe zu erhalten. Abbas besuchte mehrere Golfstaaten, um über den internationalen Friedensplan für den Nahen Osten zu beraten.

Der palästinensische Ministerpräsident hatte die militanten Palästinensergruppen vor einer Verletzung der seit sechs Wochen geltenden Waffenruhe gewarnt. Seine Regierung sei überzeugt, dass der Friedensplan des "Nahost-Quartetts" der richtige Weg zu einem eigenen Staat sei.

Entwaffnung

"Der für Sicherheitsfragen zuständige Minister Mohammed Dahlan hat deshalb klare Anweisungen, alle Kräfte zu verfolgen, die Operationen durchführen, die diese Waffenruhe verletzen würden, sie festzunehmen und zu entwaffnen", sagte Abbas bei einem Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) der Nachrichtenagentur dpa. Er habe US-Präsident George W. Bush bei ihrem jüngsten Treffen in Washington versichert, dass er alles unternehmen werde, um zu gewährleisten, dass die Palästinenser die von ihnen im Friedensplan geforderten Bedingung erfüllten.

Differenzen zwischen Arafat und Abbas

Zu Berichten über Differenzen zwischen ihm und Palästinenserpräsident Yasser Arafat sagte Abbas: "Wir Palästinenser haben es uns angewöhnt, deutlich unsere Meinung zu sagen - auch in schwierigen Zeiten haben wir unterschiedliche Meinungen." Zwischen ihm und Arafat gebe es gelegentlich unterschiedliche Auffassungen über die Kompetenzverteilung.(APA/dpa/Reuters)

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