Ein Brief von Europa nach Asien

14. August 2003, 18:55
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Das Besondere daran: Er stammt aus dem 13. Jahrhundert vor Christus und ist in Keilschrift abgefasst

Tübingen/Troja - Der Tübinger Anatolist und Keilschrift- experte, Prof. Frank Starke, hat auf Grund neuer Forschungen an einem "Keilschrift-Brief" die Beziehungen zwischen Kleinasien und Griechenland weiter nach vorne datiert. Für ihn stehe jetzt fest, "dass es schon im 15. Jahrhundert v. Chr. enge politische Kontakte zwischen Griechenland und Kleinasien gab", sagte Starke am Sonntag in Troja (Türkei). Bisher seien solche Kontakte nur bis 1 300 v. Chr. nachweisbar gewesen. Der jetzt entzifferte Keilschrift-Brief ist seit 1924 bekannt und liegt im türkischen Nationalmuseum in Ankara.

"Völlig neue Sicht"

Starkes Forschungsergebnis wurden in Troja vom Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts, Prof. Wolf-Dietrich Niemeier (Athen), und dem Homer-Experten Prof. Joachim Latacz (Basel) als "sensationell" bezeichnet. Die Entdeckung werde eine "völlig neue Sicht bei den künftigen Forschungen in diesem Bereich bringen". Latacz und Niemeier sind sich sicher, dass dieses Forschungsergebnis aus Tübingen "weltweit Aufsehen erregen" wird. Bisher sei dies der "allererste Brief von West nach Ost", sagte Niemeier.

Starke wertete nach eigenen Angaben einen Keilschriftbrief aus, der eindeutig vom "König von Ahhijawa" an den hetitischen König geschickt worden sei. Das Datum des Briefes wird mit Mitte des 13. Jahrhunderts v. Chr. angegeben. Doch der Inhalt des Briefes beschäftige sich mit Vorgängen im 15. Jahrhundert v. Chr..

Troja

Nach Auffassung von Starke ist das Reich "Ahhijawa", von dem der Keilschriftbrief abgeschickt worden sei, mit dem mykenischen Griechenland gleichzusetzen. Er geht ferner davon aus, dass Theben im 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung die Hauptstadt des mykenischen Griechenlands war. Viele Forscher würden noch heute "Ahhijawa" in Westkleinasien lokalisieren, sagten die in Troja versammelten Forscher.

Starke war schon 1998 durch seine Forschungen zu der Einschätzung gelangt, dass das frühere Wilusa, etwa im 15. bis 13. Jahrhundert vor Christus, mit Troja identisch ist. (APA/dpa)

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