Problem der Menge

6. Oktober 2003, 15:56
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Ab wie vielen Stars kann man von einem Haufen sprechen? Jedenfalls, je mehr es werden, desto weniger wird man den Einzelnen registrieren ...

Ab welcher Menge von Steinen kann man von einem Haufen sprechen? - eine alte, unlösbare Frage. Leichter und mit Sicherheit zu sagen: Je mehr es werden, desto weniger Bedeutung hat der Einzelne. Bei Steinen mag das egal sein, aber bei Stars? Auch da ist zunächst schwer zu sagen, ab wie vielen Stars man von einem Haufen sprechen wird können.

Jedenfalls, je mehr es werden, desto weniger wird man den Einzelnen registrieren. Einleuchtend. Aber so, wie in Deutschland die Öffentlich-Rechtlichen und die Privaten zurzeit ihre TV-Suche nach verborgenen Talenten betreiben, klingt es nach geschäftlicher Unvernunft mit ungeahnten Folgen!

Uns kann der selbstmörderische Zugang zu dem neuen TV-Format so egal sein wie den Plattenfirmen, die sich nun einfach zurücklehnen und den jeweiligen Sieger begrüßen können. Nicht egal ist uns jedoch das Wohlergehen alter Starbekannter, die nun wegen der nachrückenden Starrudel um ihre Existenz bangen müssen.

Dieter Bohlen hat noch die Kurve gekratzt, indem er die Seiten wechselte, in die Jury ging und so zu ungeahnten Sympathiewerten kam. Knapp danach löste er Modern Talking auf, was auf einen vernünftig-resignativen Rückzug auf das Produzentendasein schließen lässt.

Der wird womöglich nie wieder singen, und was wird aus Verona Feldbusch? Die haben wir schon lange nicht mehr im TV gesehen. Auch Madonnas neueste CD verkauft sich unter den Erwartungen, und Schwarzenegger flüchtet in die Politik. (tos/DER STANDARD; Printausgabe, 11.8.2003)

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