Ronald Koeman warnt vor "langsamem" GAK

12. August 2003, 18:03
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Aber "es darf kein Problem sein" - Schilcher und Gasselich glauben dennoch an Chance für die Grazer

Wien - "Die Mannschaft spielt ein anderes Tempo, als wir gewöhnt sind. Es ist niedriger." Ajax Amsterdam-Coach Ronald Koeman warnt vor dem Duell in der Champions League-Qualifikation gegen den GAK am Dienstag in Graz also vor der Langsamkeit der Grazer. "Wenn wir da mitmachen, können wir Schwierigkeiten bekommen. Wenn wir aber das Tempo bestimmen, dann wird es für sie schwer werden. Der GAK hat gute Kopfballspieler, die bei Standardsituationen gefährlich werden können. Aber wenn Ajax konzentriert kickt, darf es eigentlich kein Problem sein." Soweit Koeman in einer Pressekonferenz am Sonntag.

Das Hauptproblem für Koeman stellt eher nicht der Gegner dar, sondern der Stand der eigenen Vorbereitung. Da in Holland die Meisterschaft noch nicht begonnen hat "kann ich nicht mit hundert Prozent Sicherheit sagen, ob wir gerüstet sind. Vorbereitung ist doch eine andere Geschichte als ein Wettbewerbsspiel in dem es um alles geht." Koeman, der in Graz auf Routinier Jari Litmanen verzichten muss, betont dass die Erfolge der vergangenen Saison nun bestätigt werden müssten: "Wir sind auf das Duell fokussiert. Die Spieler ziehen gut mit. Ich vertraue darauf, dass wir die beiden Matches gut abschließen werden."

Österreichische Ajcieden

Felix Gasselich und Heinz Schilcher waren die einzigen österreichischen Fußballer, die jemals das Trikot von Ajax Amsterdam getragen haben und: beide waren auch beim GAK engagiert. Für das Duell im Schwarzenegger Stadion favorisieren die Ex-Teamspieler zwar den niederländischen Rekordmeister, eine Sensation halten sie aber für möglich.

Schilcher, mittlerweile als Manager bei Sturm Graz tätig, kickte von 1965 bis 1969 beim GAK. Vom Sommer 1971 bis Dezember 1973 spielte er für die große Ajax-Mannschaft um Johan Cruyff, als die Amsterdamer von 1971 bis 1973 drei Mal in Folge den Meistercup gewannen. "In den beiden Finalspielen, in denen ich bei Ajax war, bin ich aber leider nur auf der Bank gesessen und nicht zum Einsatz gekommen", erinnert sich Schilcher mit Wehmut.

Vorteil Zeitpunkt

Auch für ihn liegt die größte Chance des GAK im Zeitpunkt des Duells mit Ajax. "In Holland beginnt die Saison erst am kommenden Wochenende, der GAK ist dagegen schon voll in der Meisterschaft. Das war schon für Sturm ein Vorteil, als wir uns vor drei Jahren gegen Feyenoord für die Champions League qualifiziert haben."

Gasselich, von Sommer 1983 bis Dezember 1985 bei Ajax und in der Saison 1988/89 beim GAK, sieht das ähnlich. "Die Chancen des GAK stehen gar nicht so schlecht, weil sich Ajax praktisch noch in der Vorbereitungsphase befindet. Wenn es gelingt, das auszunützen und Ajax nicht ins Spiel kommen zu lassen, ist sicher was drin", orakelt der 20-fache Teamspieler.

Kapital Nachwuchs

Wie auch im aktuellen Team, so ist beim niederländischen Rekordmeister seit jeher die Jugend Trumpf. In der ersten großen Zeit bildeten Eigengewächse wie allen voran Johan Cruyff sowie Arie Haan, Johan Neeskens, Piet Keizer oder Barry Hülshoff (der seine Karriere in der Saison 1982/83 beim GAK ausklingen ließ) das Gerüst der damaligen Erfolgs-Elf. Die letzte große Ajax-Mannschaft, die 1995 in Wien die Champions League gewann, setzte sich ebenfalls aus einer Ansammlung von Ausnahme-Talenten wie Patrick Kluivert, Clarence Seedorf, Edgar Davids, Marc Overmars oder den De Boer-Brüdern Ronald und Frank zusammen, die von Routiniers wie Frank Rijkaard und Danny Blind (mittlerweile Chef der Nachwuchs-Akademie) geführt wurden.

Junge Spieler sind das Kapital des Rekordmeisters. Da im Gegensatz zu anderen europäischen Spitzenklubs die Einnahmen aus Werbe-Verträgen oder TV-Geldern verhältnismäßig gering sind, müssen die Amsterdamer einen wesentlichen Bestandteil ihre Budgets aus Spielerverkäufen lukrieren. Aus diesem Grund kommt der weltberühmten und oft kopierten Nachwuchs-Akademie des Vereins essenzielle Bedeutung zu. In den vergangenen Jahren gelang im Durchschnitt zwei Spielern der Sprung vom Nachwuchs in den A-Kader.

Engmaschiges Spähernetz

Die Niederländer konzentrieren sich jedoch nicht ausschließlich auf heimischen Nachwuchs. Ajax arbeitet neben Satelliten-Klubs im eigenen Land eng mit Vereinen unter anderem aus den USA, Südafrika und Belgien zusammen, um hoffnungsvolle Nachwuchskicker zum Verein zu lotsen. Weiters spähen 35 Scouts (30 davon ehrenamtlich) auf der ganzen Welt nach Talenten. Ajax-Trainer Ronald Koeman gab erst in der vergangenen Woche diesbezüglich die Marschrichtung aus. "Wir würden gerne holländische Spieler verpflichten, aber weil sie hier im Moment nicht vorhanden sind, müssen wir uns eben im Ausland umsehen." Derzeit stehen Spieler aus 13 Nationen im Kader von Ajax. (rob/APA)

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    Ajax-Trainer Ronald Koeman geht optimistisch in die Auseinandersetzung mit dem GAK

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