Bis zu 500 Tote bei Kämpfen im Südsudan

18. Dezember 2013, 15:22
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Gefechte nun auch in östlichen Landesteilen - Lage "extrem angespannt" - Rund 800 Menschen seit Sonntag verletzt

Juba - Bei den jüngsten Kämpfen im Südsudan sind einem UN-Vertreter zufolge bis zu 500 Menschen getötet worden. In die Krankenhäuser der Hauptstadt Juba seien 400 bis 500 Leichen eingeliefert worden, sagte der Leiter der UN-Friedenseinsätze, Herve Ladsous, laut Diplomaten am Dienstag vor dem Sicherheitsrat in New York. Durch Gefechte zwischen Armeefraktionen seien rund 800 Menschen verletzt worden.

Zwischen 15.000 und 20.000 Menschen hätten sich seit Beginn der Kämpfe am Sonntag in die UN-Quartiere geflüchtet, wurde Ladsous weiter zitiert. Die Zahlen basierten demnach auf Angaben der Krankenhäuser, die Vereinten Nationen hätten sie wegen neuer Kämpfe am Dienstag nicht überprüfen können. In Juba, wo sich offenbar verschiedene ethnische Gruppen bekämpften, herrsche eine "extrem angespannte" Lage.


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Die Unruhen haben sich mittlerweile von Juba auf andere Landesteile ausgeweitet. Im östlichen Bundesstaat Jonglei waren am Mittwoch in der Früh ebenfalls Schusswechsel zu hören. Andere flohen auf das Gelände der UN-Friedensmission UNMISS.

Nahe der Ortschaft Bor beschossen sich nach offiziellen Angaben in der Nacht Soldaten zweier Kasernen. Ein Journalist in Bor sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Soldaten, die loyal zum entlassenen Vizepräsidenten Riek Machar stünden, kontrollierten nunmehr die Kasernen. Die Berichte lassen darauf schließen, dass es sich um ethnische Auseinandersetzungen handelt. 1991 hatten in Bor Soldaten von Machars Volksgruppe der Nuer hunderte Menschen der Dinka-Volksgruppe getötet.

"Dutzende und aberdutzende Opfer"

Frankreichs Botschafter bei der UNO, Gérard Araud, bestätigte die neuen Zahlen ebenfalls nicht. Sicher sei aber, dass die Opferbilanz hoch sei, sagte er vor Journalisten. Es gebe "dutzende und aberdutzende Opfer". Auch aus Pibor im östlichen Bundesstaat Jonglei würden Kämpfe gemeldet, sagte Araud weiter.

Die Beratungen des UN-Sicherheitsrats waren von den USA beantragt worden, die die Gründung des Südsudan 2011 sehr unterstützt hatten. Angesichts der jüngsten Gefechte kündigte Washington am Dienstag an, es ziehe alle nicht unbedingt notwendigen Diplomaten und Botschaftsmitarbeiter sofort ab.

Gefechte seit Sonntag

Die Kämpfe zwischen Truppen, die Präsident Salva Kiir gegenüber loyal sind, und Soldaten, die seinen langjährigen Rivalen Riek Machar unterstützen, waren am Sonntag ausgebrochen. Kiir hatte am Montag von einem vereitelten Putsch Machars gesprochen. Einige Beobachter bezweifeln diese Darstellung und mutmaßen, dass sich Kiir Machars zu entledigen versuche. Am Dienstag hatte die Regierung erklärt, in Zusammenhang mit dem "Putschversuch" seien zehn Politiker festgenommen worden, darunter acht im Juli entlassene Minister.

Machar, der laut Juba auf der Flucht ist und gesucht wird, führt die gespaltene SPLM-Gruppe. Nachdem er seine Kandidatur gegen Kiir bei der Präsidentschaftswahl 2015 angekündigt hatte, wurde Machar im Juli als Vizepräsident entlassen. Während Kiir der Ethnie der Dinka angehört, ist Machar ein Nuer.

Ban fordert "Dialogangebot"

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte am Dienstag Präsident Kiir aufgefordert, seinen Gegnern ein "Dialogangebot" zu machen, um die Kämpfe zu beenden. Auch die Afrikanische Union äußerte sich "höchst besorgt" und mahnte eine Deeskalation an.

Der Südsudan, der im Jahr 2011 durch die Abspaltung vom Sudan seine Unabhängigkeit erlangte, gilt als instabil und unterentwickelt. Allerdings verfügt das verarmte Land über große Ölreserven. In einem erbitterten Bürgerkrieg wurden von 1983 bis zu einem Friedensabkommen im Jahr 2005 etwa zwei Millionen Menschen getötet.

Kiir ist umstritten. In den vergangenen Wochen warfen ihm Führungsmitglieder der ehemaligen Rebellenorganisation und jetzt regierenden Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLM) öffentlich "diktatorisches" Verhalten vor. (APA, 18.12.2013)

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    Panzer in der südsudanesischen Hauptstadt Juba. UN-Vertreter berichten, dass bei Kämpfen seit vergangenem Sonntag mindestens 500 Menschen getötet wurden.

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    Rettungskräfte der UN-Friedensmission UNMISS behandeln einheimische Zivilisten in Juba.

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    Präsident Salva Kiir wurde in der Vergangenheit öffentlich "diktatorisches" Verhalten vorgeworfen.

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    Der frühere Vizepräsident Riek Machar ist unterdessen auf der Flucht.

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