Silvester ist gefährlich für junge Männer

17. Dezember 2013, 13:55
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Jedes fünfte Opfer von Unfällen mit Knallern, Böllern und Raketen ist jünger als 15 Jahre. Sorglosigkeit und nichtsachlicher Umgang führen oft zu lebensgefährlichen Verletzungen

Wien - "Wenn es kracht, erwacht ein archaischer Trieb", sagt Othmar Thann, der Geschäftsführer des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV). Es ist ein Trieb, der bei Burschen und jungen Männern offenbar besonders ausgeprägt ist. Denn Unfälle mit Feuerwerken und pyrotechnischen Produkten hinterlassen zu 97 Prozent männliche Opfer, 65 Prozent von ihnen sind jünger als 25 Jahre. Jedes fünfte Opfer ist sogar ein Kind unter 15 Jahren.

"Gerade den jungen Burschen und Männern fehlt es oftmals am notwendigen Gefahrenbewusstsein und an essenziellem Wissen über den richtigen Umgang mit pyrotechnischen Produktion", sagte Thann am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Peter Thirring vom österreichischen Versicherungsverband und Thomas Csengel vom Entschärfungsdienst der Spezialeinheit Cobra.

Jeder dritte Testkauf positiv

So wie zuletzt ein 21-jähriger Burgenländer am Montag, müssen jedes Jahr vor und zu Silvester rund 600 Menschen wegen Verbrennungen und in Extremfällen mit lebensgefährlichen Verletzungen in Spitälern behandelt werden. Tausende weitere tragen Hörschäden davon, und die Sachschäden bewegen sich laut Thirring vor allem wegen Bränden in Millionenhöhe.

Wie leicht Jugendliche Zugang zu ihnen verbotenen Böllern oder Raketen finden, ergaben vom KFV aktuell durchgeführte Testkäufe in Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und Vorarlberg. In 25 von 77 Fällen gaben Diskonter, Baumärkte, Fach- und Onlinehändler entgegen den gesetzlichen Vorschriften Feuerwerksprodukte an junge Testkäufer ab.

Während in Baumärkten und bei Diskontern nur 19 Prozent der Kaufversuche ohne korrekten Altersnachweis gelangen, zeigt sich bei den Fachgeschäften ein besorgniserregendes Bild: In 48 Prozent der Fälle verzichteten die Angestellten darauf, sich einen Ausweis zeigen zu lassen. Ähnlich nachlässig sind nur die Onlinehändler, von denen jeder zweite ohne Ausweiskopie oder persönliche Bankverbindung Pyrotechnik verschickt. "An Zigaretten zu gelangen ist schwieriger", so Thann.

"Verzichten Sie ganz darauf"

Um wenigstens dem Risiko vorzubeugen, das von minderwertiger Ware ausgeht, raten die Experten, nur mit dem europäischen CE-Kennzeichen oder der deutschen BAM-Nummer versehene Produkte zu kaufen. Nicht geprüfte Feuerwerksartikel sind häufig aus abenteuerlichen Stoffmischungen gefertigt und mit Gehäuseelementen verschlossen, die zu gefährlichen Geschoßen werden können.

Laut Csengel stammen sie oft aus Asien und werden vor allem im Grenzgebiet von Österreichs östlichen Nachbarländern günstig auf Ständen feilgeboten. Eine noch nachdrücklichere Warnung sprechen die Fachleute nur vor professionellem Feuerwerk aus, das erst nach Ausbildung gezündet werden darf, und vor selbstgebastelten "Superböllern", die aus naheliegenden Gründen nicht nur hochgefährlich, sondern auch verboten sind.

Gefahr geht bei unsachgemäßer Bedienung aber durchwegs auch von geprüften Fabrikaten aus. Pyrotechnische Sätze erzeugen Abbrandtemperaturen von bis zu 2000 Grad Celsius, "daher sind die Gebrauchshinweise, die mögliche Fehlfunktionen bereits berücksichtigen, strikt einzuhalten", sagt Csengel; mit einem persönlichen Appell als Nachsatz: "Viele Unfälle wären vermeidbar. Verzichten Sie am besten ganz auf das private Feuerwerk." (Michael Matzenberger, derStandard.at, 17.12.2013)


Wissen: Korrekt knallen

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit und der österreichische Versicherungsverband haben Verwendungs- und Sicherheitshinweise für den unversehrten Silvesterabend herausgegeben:

  • Minderjährige aufklären und nur unter Aufsicht mit für sie zugelassenen Produkten hantieren lassen. Für Feuerwerke der Klasse F1 gilt ein Mindestalter von 12 Jahren, solche der Klasse F2 sind ab 16 Jahren erlaubt.
  • Feuerwerkskörper nur nach Lektüre der Gebrauchsanleitung und ihrer Bestimmung nach verwenden. Tischfeuerwerke funktionieren auch im Freien, Römische Lichter nicht im Wohnzimmer.
  • Raketen niemals mit dem Stab in die Erde oder in einzeln stehende Flaschen stecken. Sie müssen leichtgängig ohne Widerstand aufsteigen können.
  • Blindgänger niemals ein zweites Mal anzünden oder – etwa in Kombination mit noch ungebrauchten Produkten – anderweitig verwenden.
  • Mindestabstand einhalten und idealerweise um den einen oder anderen Meter aufrunden. Zigaretten, offenes Feuer, entzündliche oder brennbare Stoffe sind rund um die Abschussstelle tabu.
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein junger Mann, ein Feuerwerk, ein verbrannter Fuß.

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