Wissenschafter warnen vor Panikmache durch mangelhafte Gentechnikmais-Studien

16. Dezember 2013, 17:57
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Zwei aufsehenerregende Studien mussten heuer zurückgezogen werden

Wien - Zwei Studien, wonach gentechnisch veränderter Mais Impotenz fördere bzw. zu erhöhten Krebsraten und vorzeitigem Tod führe, sorgten heuer für Schlagzeilen. Mittlerweile mussten jedoch beide Studien aufgrund grober wissenschaftlicher Mängel zurückgezogen werden - ihre Ergebnisse waren nicht haltbar. 

So zeigte sich, dass bei der Durchführung der vom österreichischen Staat finanzierten Zentrek-Studie, die einen Zusammenhang von Gentechnikmais und Impotenz herstellte, wissenschaftliche Standards nicht durchgängig eingehalten wurden. Die Ergebnisse konnten nicht verifiziert werden. 

Wissenschaftliche Kriterien verfehlt

Bei der zweiten Studie fehlten hingegen schon von Beginn an Daten, die Schlüsse auf die gesundheitliche Auswirkung von Genmais zulassen würden. Der französische Wissenschafter Gilles-Eric Seralini hatte im Fachblatt "Food and Chemical Toxicology" behauptet, dass gentechnisch veränderter Mais bei einem bestimmten Rattenstamm zu erhöhten Krebsraten führen würde. Nachdem die Studie unter anderem wegen einer zu geringen Anzahl an Ratten kritisiert wurde, kamen Überprüfungen von insgesamt 37 staatliche Behörden und Wissenschaftsvereinigungen zu dem gleichen Schluss: Die Studie entspreche wissenschaftlichen Kriterien nicht, ihre Ergebnisse könnten daher auch nicht für eine Neubewertung des Risikos von Genmais herangezogen werden.

Im März 2013 hatte Seralini seine Ergebnisse auf Einladung der Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima noch in Wien präsentiert. "Nicht erst seit dieser Studie wissen wir, dass Gentechnik in Lebensmitteln und in der Landwirtschaft nichts verloren hat", sagte Sima damals. Kritik an der Studie sei wenig überraschend, da es erwartbar sei, "dass die Studienergebnisse nicht allen gefallen". Im November zog aber sogar das Fachblatt "Food and Chemical Toxicology" die Notbremse und nahm die Veröffentlichung wieder zurück.

Versachlichung der Diskussion angemahnt

Das Österreichische Akademische Institut für Ernährungsmedizin (ÖAIE) warnt vor diesem Hintergrund vor Panikmache und mahnt zu einer Versachlichung der Gentechnik-Diskussion in Österreich. "Fakt ist, dass bislang keinerlei Gesundheitsrisiko bei in der EU zugelassenen gentechnisch veränderten Pflanzen nachgewiesen werden konnte", sagt Kurt Widhalm, Präsident des ÖAIE.

Die Forschung zu gentechnisch veränderten Pflanzen in der EU finde nach strengen Kriterien statt, so Widhalm. "Natürlich gibt es offene Fragen, die wissenschaftlich erforscht werden müssen. Die Argumentation mit wissenschaftlich unhaltbaren Studien und Forderungen, dass Forschung an gentechnisch veränderten Pflanzen ausschließlich an hermetisch abgeschlossenen Forschungseinrichtungen durchgeführt werden darf, sind jedoch nichts weiter als populistische Panikmache. Hier handelt es sich ja nicht um gefährliche Viren oder Bakterien", so der ÖAIE-Präsident.

Anstatt pauschal vor "nicht abschätzbaren Folgen" zu warnen, solle vielmehr die Forschung vorangetrieben werden, fordert Widhalm. "Nur durch eine reale Umweltforschung können seriös die Risiken von gentechnisch veränderten Pflanzen bewertet und mögliche Folgen abgeschätzt werden." (red, derStandard.at, 16.12.2013)

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    Das Österreichische Akademische Institut für Ernährungsmedizin vermisst eine sachliche Diskussion zum Thema Gentechnik in Österreich.

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