Der größte Luxus ist, seine Ruhe zu haben

    15. Dezember 2013, 08:00
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    Der Musiker und Produzent Christian Kolonovits wohnt in einem großen Haus mit vielen Klavieren in Wien-Döbling

    Der Musiker und Produzent Christian Kolonovits wohnt in einem großen Haus mit vielen Klavieren in Wien-Döbling. Am meisten taugt ihm, dass er hier in aller Ruhe laut sein kann. Michael Hausenblas hat ihn besucht.

    "Ich wohne und arbeite in einem großen Haus in Döbling, weit draußen in der Krottenbachstraße. Eigentlich gehört dieses Eck schon zu Neustift. Das Haus wurde in den 1930er-Jahren gebaut, seit zwölf Jahren wohne ich hier mit meiner Familie. Da ich im Burgenland aufgewachsen bin, also ein echtes Landkind bin, ist es mir wichtig, ein bisschen Grün um mich herum zu haben. Auch wenn mein oft sehr stressiger Beruf kaum Zeit für Spaziergänge lässt, ist es schön, durchs Fenster ein wenig Natur zu sehen.

    foto: lisi specht
    Christian Kolonovits in seinem Haus, wo er es besonders schätzt, jederzeit im Tonstudio im Keller des Hauses verschwinden zu können. (Foto: Lisi Specht)

    Das Haus ist sehr geräumig, weil hier gleichzeitig gewohnt, gelebt und gearbeitet wird. Im Keller befindet sich mein Tonstudio, das für mich so etwas wie Luxus ist. Als Musiker hat man immer wieder Probleme mit Nachbarn, die sich von Musik gestört fühlen. Ich arbeite sehr viel in der Nacht, und daher ist es ideal, in einem Haus wie diesem zu leben. Die Freiheit, Tag und Nacht arbeiten und musizieren zu können, also laut zu sein, wann immer man das möchte, hatte für mich immer höchste Priorität und war schlussendlich auch die Hauptmotivation für mich, Geld zu verdienen.

    In fast jedem Raum hier im Haus steht ein Klavier. Auch wenn ich natürlich nicht immer auf allen spielen kann, ist es mir wichtig, sie um mich zu haben. Der Flügel im Wohnzimmer – ein herrlicher Steinway – klingt völlig anders als etwa der Yamaha-Flügel im Tonstudio oder das alte Rösler-Pianino im Büro.

    Am liebsten arbeite ich aber im Studio. Ich habe mein halbes Leben in verschiedenen Tonstudios verbracht, aber erst hier in diesem Haus konnte ich mir den Luxus leisten, ein Tonstudio nach meinen Bedürfnissen einzurichten. Die Atmosphäre mit all den Geräten, den Instrumenten und der Stille rundherum ist sehr inspirierend. Es ist so, als ob die ganze Musik, die darin entstanden ist, gespeichert ist und auf einen einwirkt.

    In diesem Studio entstanden sogar Aufnahmen mit Carreras, Domingo, mit den Scorpions, mit vielen meiner Austropop-Freunde, aber auch große Teile meiner Kinderoper 'Antonia und der Reißteufel' wurden hier komponiert. Zurzeit entsteht hier ein neues Werk für das Opernhaus Bilbao.

    Unser Haus ist ein offenes Haus. Sowohl meine Frau, die Modedesignerin Brigitte Just, als auch ich arbeiten hier. Im Erdgeschoß befindet sich mein Büro, von wo aus mein Plattenlabel und mein Verlag betrieben werden. Hier ist immer ein Kommen und Gehen. Ich mag diese Atmosphäre. Wenn es mir zu viel wird, wenn zu viele Telefonate und Mails eintrudeln und mir zu viel Wirbel ist, dann ziehe ich mich in mein Landhaus in der Nähe von Lilienfeld zurück. Das besitze ich schon seit vielen Jahren. Früher, in den 1970er- und 1980er-Jahren, habe ich dort mit Freunden wie Wolfgang Ambros oder Ludwig Hirsch Projekte entwickelt. Jetzt ist es so etwas wie der Rückzugsort der Familie. Aber auch dort gibt es ein Musikzimmer mit Klavier und Aufnahmemöglichkeiten.

    Luxus ist mir nicht besonders wichtig, allerdings hatte ich schon immer ein Faible für schöne Möbel. So habe ich bereits in den 1970er-Jahren Jugendstilmöbel gesammelt und renovieren lassen. In dieser Zeit war ich bei den Wiener Altwarenhändlern sozusagen Stammgast. Möbel erzählen Geschichten: Man erinnert sich, wo man sie gefunden, wo man sie gekauft hat, und gleichzeitig wird das Rundherum lebendig. Sie sind so etwas wie Marksteine in der eigenen Biografie. Aber ich hänge nicht an Dingen. Was ich besitze, ist in mir. Das Zuhause ist wichtig, aber noch wichtiger für mich ist es, immer wieder meinen spirituellen Mittelpunkt zu definieren. Dieser zeigt mir schlussendlich am besten, wo ich zu Hause bin." (DER STANDARD, 14.12.2013)

    Christian Kolonovits wurde 1952 in Rechnitz geboren. Er ist als Komponist, Arrangeur und Musikproduzent tätig. Als Mitgestalter des Austropop produzierte er Interpreten wie Wolfgang Ambros, Rainhard Fendrich oder Ludwig Hirsch und schuf zahlreiche Kompositionen für Theater, Film und Fernsehen. Unter anderem produzierte er die soeben erschienene José-Carreras-CD "Meraviglioso". Im Auftrag der Wiener Volksoper komponierte er auch die Kinderoper "Antonia und der Reißteufel", die unter der Regie von Robert Meyer am 20. Dezember wiederaufgenommen wird.

    Link

    kolonovits.com

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