Interio-Chefin sieht Gewinnzone nahen

10. Dezember 2013, 18:32
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Interio verbuchte Verluste und wachsende Schulden: Eigentümerin Janet Kath will weiter ausbauen, dem Reiz des offenen Sonntags entsagt sie

Wien - Der offene Sonntag, sagt Janet Kath, ist in Österreich einfach ein No-Go. Immer wieder hat sich die Eigentümerin und Chefin von Interio für liberale Ladenöffnung starkgemacht und zuletzt mit Verkauf am Sonntag am Wiener Westbahnhof für Zündstoff gesorgt. Eine Strafe musste sie dafür letztlich dann nicht bezahlen, geschlossen bleibt die Filiale an einem Tag die Woche künftig dennoch. Klar wäre sie für zumindest einige offene Sonntage im Jahr, sagt Kath, "viele wünschen sich mehr Freiheit." Aber das Thema sei politisch gesteuert, "da ist nichts zu machen."

Die frühere Bipa-Chefin besitzt seit 13 Jahren die Einrichtungskette Interio. 2011/12 glitt der Betrieb in die roten Zahlen und verbuchte neben Umsätzen von knapp 30 Millionen 935.000 Euro an Verlusten. Die Verbindlichkeiten wuchsen zugleich von elf auf 16 Millionen Euro - 12,6 Millionen werden Kreditinstituten geschuldet.

Kath führt dies auf starke Expansion der vergangenen Jahre zurück. Das Netz an Standorten wurde um vier auf 14 erweitert; in der Regel koste einer an die 1,5 Millionen Euro. Die zwei größten Häuser in Vösendorf und in der Wiener Brünner Straße sind seit Kurzem nicht mehr geleast, sondern in ihrem Eigentum. Im laufenden Geschäftsjahr, versichert sie, werde Interio in die Gewinnzone zurückkehren. Sich wie Kika/Leiner, die sich in Hände des Branchenriesen Steinhoff begaben, Partner zu suchen, schließt Kath am Rande einer vom Berater Stratact organisierten Veranstaltung aus. "Es hat bisher auch so funktioniert."

Potenzial in Österreich

Kath ist mit dem früheren Rewe-Chef Veit Schalle verheiratet, was einst einen der beiden aufgrund von Konzernklauseln dazu zwang, den Führungsjob aufzugeben. Bipa-Saniererin Kath ging - und machte sich im Möbelhandel selbstständig. Schalle, seit Jahren in der Pension, ist BZÖ-Politiker.

Für Interio sieht Kath ein Potenzial von 20 bis 30 Märkten in Österreich. Demnächst will sie sich Vorarlberg vornehmen, und in ein bis zwei Jahren soll ein Webshop starten. Mit rund sieben Prozent quer durch die Branche ist der Anteil des Onlinehandels im Möbelgeschäft bisher gering. Der Druck der Internetkonkurrenz steigt freilich massiv: Amazon und das Versandhaus Otto etwa mischen im Einrichtungshandel kräftig mit.

Interio hat die Zahl der Lieferanten reduziert und konzentriert sich auf Anbieter aus Europa. 70 Prozent der Accessoires und 90 Prozent der Möbel kommen Kath zufolge mittlerweile von europäischen Herstellern: Glaskugeln et- wa aus Tschechien, Porzellan aus Deutschland, Kerzen aus Ungarn. Kein Vorbei an China gebe es allein bei Produkten wie Edelstahl. Alles andere als China meiden wollen hingegen Möbelproduzenten wie Team 7. Pläne für eigene Shops in Asien hegen die Innviertler schon länger. Mithilfe eines chinesischen Handelspartners eröffnet Team-7-Chef und -Eigentümer Georg Emprechtinger im Februar nun den ersten in Peking.

Team 7 hobelt für China

Neben allen Chancen sei das Risiko hoch, sagt er. "In ein paar Jahren weiß ich, ob es gescheit war." Entgegen der chinesischen Mentalität wolle er es langsam angehen und mit unterschiedlichen Partnern "die Eier in mehrere Töpfe verteilen". Entscheidend sei, dass Chinas Konsumenten hohen Wert auf österreichische Fertigung legten. Viele verlangten entsprechende Ursprungszeugnisse und wollten keine Möbel aus China.

Ziel ist, mit Exporten dem Preisdruck im deutschsprachigen Einrichtungsmarkt, der von wenigen Ketten und mächtigen Einkaufsverbänden dominiert wird, zu entgehen. Der Kunde werde mit ständigen 50-Prozent-Rabatten systematisch hinters Licht geführt, sagt Emprechtinger. Kath beschönigt nichts: "Der permanente Preiskampf wirkt wie Kokain." (Verena Kainrath, DER STANDARD, 11.12.2013)

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    Zwischen den Stühlen: Der Einrichtungsmarkt stagniert, die Industrie klagt über eine Preisspirale nach unten.

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