Änderungen bei Zentralmatura: Enttäuschung für die Schüler

Leserkommentar10. Dezember 2013, 13:42
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Ein Schüler über die vor kurzem beschlossenen Änderungen bei der Zentralmatura

Es ist Sonntag, 20.00 Uhr. Auf der Suche nach meinem Englischbuch schlendere ich am laufenden Fernseher vorbei, plötzlich verkündet Roman Rafreider, die Bundesschülervertretung, das Bifie und das Bmukk hätten sich auf ein neues Benotungssystem der Zentralmatura geeinigt.

Ernst genommene Schüler?

Das Englischbuch wird gänzlich uninteressant, ich stürme zum Computer. Werden wir Schüler tatsächlich einmal ernst genommen? Nimmt zum ersten Mal, seit ich Schüler bin, irgendjemand Rücksicht auf uns? Das Erste, was ich finde, ist ein Video mit Hauptdarstellerin Angi Groß und dem Slogan "Wir haben es geschafft". Weiteren Inhalt gibt das Video nicht her. Ihr habt es also geschafft? Und was? Weitere Recherchen bleiben erfolglos.

Presse

Montag: Stündlich checke ich via Facebook die neuesten Meldungen, und als ich es fast schon aufgebe, endlich, 17.00 Uhr: Die ersten Pressemeldungen kommen rein, zuerst KURIER.at, dann derStandard.at. Voller Euphorie verschlinge ich die Überschrift "Benotungssystem in Mathematik und Englisch geändert!". Die Euphorie geht über in Begeisterung. Haben sie es tatsächlich geschafft?

Blanke Enttäuschung

Mit der letzten Zeile des Artikels fertig, klappe ich meinen Laptop zu und schaue blöd ins Zimmer. Die gerade eben noch vorhandene Begeisterung ist nun blanker Enttäuschung gewichen. Es hat sich fast nichts geändert. In Mathe werden nun auch Teilpunkte vergeben, "im Zweifelsfall für den Schüler", verkündet bifie-Direktor Martin Netzer. Ob ein Zweifelsfall vorhanden ist oder nicht, darf immer noch der Lehrer entscheiden. In Englisch muss ich in den Teilbereichen nur 50 statt 60 Prozent erreichen, um positiv zu sein, das Gesamtpaket muss allerdings wieder über 60 Prozent sein.

Das war's?

Zwischen mündlicher und schriftlicher Matura haben wir nun eine Woche mehr Zeit. Das war's? Das ist alles? Der Grund für die ganze Aufregung und die geplanten Proteste, die Zweidrittelhürde im Teil eins in Mathematik, bleibt weiterhin bestehen. Liebe Schülervertretung, ja, ihr habt es wirklich geschafft, ihr habt es geschafft, tausende Schülerinnen und Schüler in ganz Österreich zu enttäuschen und zu verärgern, sonst nichts. (Leserkommentar, Jakob Sturn, derStandard.at, 10.12.2013)

Jakob Sturn (16) ist Schüler in Wien. Er gehört dem ersten Zentralmaturajahrgang an.

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