"Ein Gigant der Gerechtigkeit"

6. Dezember 2013, 06:02
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Weltweit erinnerten Staatsleute und Wegbegleiter an den am Donnerstagabend gestorbenen südafrikanischen Nationalhelden und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela

Südafrikas Präsident Jacob Zuma, der am Donnerstagabend in einer Fernsehansprache mitgeteilt hatte, dass Mandela nach langer Krankheit im Alter von 95 Jahren gestorben sei, sagte: "Unsere Nation hat ihren größten Sohn verloren".

Die Einheit Südafrikas ist nach den Worten von Frederik Willem de Klerk das größte Vermächtnis von Nelson Mandela. Er sei ein großer Vermittler gewesen und habe vor allem auf Versöhnung gesetzt, würdigte der letzte weiße Präsident Südafrikas den ersten schwarzen Präsidenten des Landes.

Unter der Regentschaft von de Klerk wurde 1990 das Verbot von Mandelas Partei ANC aufgehoben und Mandela nach 27 Jahren im Gefängnis freigelassen. Die beiden Männer handelten in den Folgejahren das Ende der Apartheid und den Übergang zur Demokratie aus. Für "ihren Versöhnungswillen und großen Mut" wurden sie 1993 gemeinsam mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Mandelas Tochter Zindzi sowie der britische Prinz William und seine Frau Kate haben während einer feierlichen Vorführung eines neuen Films über Nelson Mandela in London von dessen Tod erfahren. "Die Nachricht war extrem traurig und tragisch", sagte William, Zweiter der britischen Thronfolge, am späten Donnerstagabend.

William und Kate waren zur traditionellen Veranstaltung "Royal Film Performance" in einem Kino in London. Gezeigt wurde "Mandela - der lange Weg zur Freiheit". "Wir wurden gerade daran erinnert, was für ein außergewöhnlicher und inspirierender Mann Nelson Mandela war," sagte Prinz William. Die Queen hat sich ebenfalls "tieftraurig" über den Tod Mandelas gezeigt: "Er hat unermüdlich zum Wohle seines Landes gearbeitet, und sein Erbe ist das friedliche Südafrika von heute."

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat den südafrikanischen Nationalheld als "Giganten der Gerechtigkeit" gewürdigt. Der Ex-Präsident sei eine "Quelle der Inspiration" für die ganze Welt gewesen, erklärte Ban am Donnerstag in New York. "Wir müssen uns von seiner Weisheit, seiner Entschlossenheit und seinem Engagement inspirieren lassen, um die Welt zu verbessern."

Er sei zutiefst traurig über Mandelas Tod, fügt Ban hinzu. "Nelson Mandela hat uns gezeigt, was für unsere Welt und für jeden einzelnen von uns möglich ist - wenn wir zusammen an Gerechtigkeit und Menschlichkeit glauben, davon träumen und uns dafür einsetzen."

Mit Mandela hat die Welt nach den Worten von US-Präsident Barack Obama einen der einflussreichsten und mutigsten Menschen verloren. Mandelas größtes Erbe sei ein freies und friedliches Südafrika. "Er hat mehr erreicht als von einem Menschen erwartet werden kann", sagte Obama am Donnerstagabend in einer ersten Reaktion auf den Tod.

Mandela habe sein eigene Freiheit für die Freiheit anderer geopfert, sagte Obama mit Blick auf die 26-jährige Inhaftierung Mandelas während der Apartheid. Durch seine Politik der Versöhnung habe er ein Beispiel gesetzt. "Ein freies Südafrika im Frieden mit sich selbst als Vorbild für die Welt - das ist Madibas Vermächtnis an seine geliebte Nation." Mandela war der erste schwarze Präsident Südafrikas, Obama ist der erste schwarze Präsident der USA.

Sein eigener Lebensweg sei ohne das Vorbild Mandela schwer vorstellbar, fügte Obama hinzu. "Ich bin einer von ungezählten Millionen, die durch Nelson Mandelas Leben inspiriert wurden." Eine seiner ersten politischen Aktionen seien Proteste gegen die Apartheid gewesen. "So lange ich lebe, werde ich alles tun, um von ihm zu lernen. Seine Reise vom Gefangenen zum Präsidenten verkörpert das Versprechen, dass sich Menschen und Länder zum Besseren wenden können."

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat das Wirken des früheren südafrikanischen Präsidenten als "Inspiration" gewürdigt. "Mandelas leuchtendes Beispiel und sein politisches Vermächtnis der Gewaltfreiheit und der Absage an jeglichen Rassismus werden für Menschen auf der ganzen Welt noch lange Zeit eine Inspiration bleiben", erklärte Merkel am Freitag in Berlin.

"Sein Name wird für immer mit dem Kampf gegen die Unterdrückung seines Volkes und der Überwindung des Apartheidregimes verbunden sein", hieß es in der Erklärung. "Auch viele Jahre im Gefängnis konnten Nelson Mandela nicht brechen oder bitter machen - aus seiner Botschaft der Versöhnung ist schließlich ein neues, besseres Südafrika entstanden." Deutschland trauere mit Südafrika um den Verstorbenen.

Der britische Premierminister David Cameron erklärte auf dem Online-Kurzmitteilungsdienst Twitter, dass "ein großes Licht in der Welt erloschen" sei. "Nelson Mandela war ein Held unserer Zeit", schrieb Cameron. Die Flaggen vor der Residenz des Premierminister in der Downing Street Nr. 10 würden auf Halbmast gesetzt.

Aus Sicht von des französischen Präsident Francois Hollande hat Mandela "Geschichte geschrieben für Südafrika und für die Welt". Er sei "ein unermüdlicher Kämpfer gegen die Apartheid" gewesen, sagte Hollande laut einer am Donnerstagabend in Paris verbreiteten Mitteilung. Mandela sei der Inbegriff der südafrikanischen Nation gewesen, Garantie für die Einheit und der Stolz ganz Afrikas. Auch nach seinem Tod werde Mandela Freiheitskämpfer inspirieren und Menschen Vertrauen in Gerechtigkeit und universelles Recht geben, hob Hollande hervor.

EU-Kommissionschef Jose Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy haben den verstorbenen südafrikanischen Ex-Präsidenten Nelson Mandela als "größte politische Persönlichkeit unserer Zeit" gewürdigt. Der Friedensnobelpreisträger habe "uns alle eine bedeutende Lektion in Versöhnung, politischer Umgestaltung Reform und sozialem Wandel erteilt", erklärten die EU-Politiker am Donnerstag.

Die 15 Ratsmitglieder des UN-Sicherheitsrats haben angesichts des Todes von Nelson Mandela ihre "Solidarität mit dem südafrikanischen Volk" zum Ausdruck gebracht. Sie bekunden in einer am Donnerstag in New York veröffentlichten Erklärung zudem ihre "tiefe Bewunderung für die außergewöhnlichen moralischen und politischen Eigenschaften" Mandelas.

Der verstorbene Friedensnobelpreisträger bleibe in Erinnerung als jemand, der "einen Großteil seines Lebens geopfert habe (...), damit Millionen andere eine bessere Zukunft haben". "Der Kampf, den er Zeit seines Lebens gegen die Rassendiskriminierung geführt hat, die entscheidende Rolle, die er beim friedlichen Umbau spielte, so dass es sein Land schaffte, zu einem geeinten und demokratischen Südafrika zu werden, sind ein dauerhaftes Erbe für sein Land und den Rest der Welt", heißt es in der Erklärung.

Russlands Präsident Wladimir Putin würdigte Mandela als "einen der herausragendsten Politiker" der Zeitgeschichte. "Bis zum Ende seiner Tage blieb er den leuchtenden Idealen des Humanismus und der Gerechtigkeit treu".

Ähnlich äußerte sich auch der japanische Regierungschef Shinzo Abe. Der Friedensnobelpreisträger habe es "mit eisernem Willen ausgefochten, die Apartheid auszumerzen" und Aussöhnung in den Mittelpunkt seines Aufbaus der Nation gestellt, sagte Abe am Freitag laut der Nachrichtenagentur Kyodo.

"Die Menschheit hat einen unermüdlichen Kämpfer für Frieden, Freiheit und Gleichheit verloren. Ruhe in Frieden, Nelson Mandela", schrieb Mexikos Staatschef Enrique Pena Nieto auf Twitter. Dort kondolierte auch Kolumbiens Staatschef Juan Manuel Santos: "Sein Vermächtnis bleibt unser Leitfaden, um den Frieden zu erreichen." Kubas Präsident Raul Castro ließ offiziell verlautbaren: "Von Mandela werden wir nie in der Vergangenheitsform sprechen können".

"Nelson Mandela war eine der ehrenwertesten Personen unserer Zeit. Er war der Vater seines Volkes, ein Mann mit Visionen, ein Freiheitskämpfer, der Gewalt ablehnte. Er war nie arrogant. Er arbeitete daran, die Tränen der südafrikanischen Gesellschaft zu trocknen. Durch seinen Charakter schaffte er es, Ausbrüche von Rassenhass zu vermeiden. Er wird als der Vater des neuen Südafrika in Erinnerung bleiben", erklärte Israels Premier Benjamin Netanyahu.

"Madibas Tod reißt ein riesiges Loch auf unserem Kontinent, das schwer wird, zu füllen. Er wird von allen schmerzlich vermisst, die Liebe, Frieden und Freiheit schätzen", Nigerias Präsident Goodluck Jonathan.

Der frühere US-Präsident George W. Bush in einer schriftlichen Erklärung: "Er war ein Mann von unglaublichem moralischen Mut, der den Gang der Geschichte in seinem Land veränderte."

"Aber seine Geschenke an die Menschheit werden bleiben. (...) Er zeigte uns, dass grundlegende Veränderung möglich ist und erkämpft werden muss, wenn die Freiheit und das Wohlergehen der Menschen auf dem Spiel stehen", schrieb Weltbank-Präsident Jim Yong Kim am späten Donnerstagabend in einer in Washington veröffentlichten Erklärung

"Mit Nelson Mandela hat mich der feste Glaube an die einzigartige Kraft des Fußballs, der die Menschen friedlich und freundschaftlich zu vereinen und als Lebensschule grundlegende soziale und erzieherische Werte zu vermitteln vermag, verbunden. Als Nelson Mandela am 11. Juli 2010 im Soccer-City-Stadion in Johannesburg als Mann des Volkes und der Herzen vom Publikum geehrt und bejubelt wurde, war dies einer der bewegendsten Momente überhaupt für mich. Für ihn ist mit der Weltmeisterschaft in Südafrika "ein Traum in Erfüllung" gegangen, erinnert sich der Präsident des internationalen Fußballverbands FIFA, Sepp Blatter.

Für Österreich Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger hinterlässt der Tod Mandelas "eine tiefe Lücke." Nelson Mandela hat mit seinem unerschrockenem Eintreten für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung Generationen inspiriert und Mut gegeben, erklärte Spindelegger am späten Donnerstagabend in einer ersten schriftlichen Reaktion. "Die Welt verliert mit Mandela eine der charismatischen und beeindruckendsten Persönlichkeiten der letzten Jahrzehnten, die bereits zu Lebzeiten zur Legende wurde", so der Vizekanzler. (APA/red, derStandard.at, 6.12.2013)

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    Frederic de Klerk und Nelson Mandela.

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