Eine Talfahrt und kein Ende

Infografik5. Dezember 2013, 17:21
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Die Herbstrunde war kein Straßenfeger. Das sinkende Interesse der Fans gehört bereits zum gewohnten Bild

Es gibt noch Dinge, auf die Verlass ist. Der sinkende Zuseherschnitt in der österreichischen Bundesliga ist da ein gutes Beispiel. Seit 2008 fällt die Zahl Jahr für Jahr. In der eben beendeten Herbstmeisterschaft, also nach 18 von 36 Spieltagen, zählt die Liga magere 6351 Zuseher pro Spiel - ein Minus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine Trendumkehr im Frühjahr, das kurioserweise mit drei Runden noch im Dezember anhebt, ist auszuschließen. Der Wettskandal, Spieltermine im frühen Februar und klare Verhältnisse im Kampf um den Meisterteller werden das Interesse nicht anfachen.

 

 

Ein Drittel der Stadionbesucher ging der obersten Spielklasse seit der EM im eigenen Land verloren. Der Aufstieg sogenannter Dorfklubs kann dabei nicht mehr als alleinige Ursache herhalten, der Schwund holt auch die Topklubs ein. Schon im Vorjahr verlor Rapid Wien 13 Prozent seiner Besucher, in dieser Saison sind es weitere sieben Prozent. Das Hanappi ist mit einem Schnitt von 13.201 längst nicht mehr ausgelastet. Und trotzdem sind die Grün-Weißen in der Gunst de Publikums noch immer die klare Nummer eins vor Red Bull Salzburg (10.197), Austria Wien (8141) und Sturm Graz (7939).

 

 

Die Entwicklung bei Sturm ist für die Liga symptomatisch. Die Spiele der Grazer werden um 25 Prozent schlechter besucht als in der Vorsaison. Der Verein hat seinen Kredit bei den Fans verspielt, bescheidenes Auftreten vertreibt die Anhänger ebenso wie die Unzufriedenheit mit der Geschäftsführung. Die Austria konnte ihrerseits nicht den Schwung des Meistertitels mitnehmen. Die Violetten halten in einer spielerisch durchwachsenen Saison bei einem Minus von 15 Prozent.

 

 

Antizyklisch verhält sich das Fanaufkommen in Salzburg. Mit einem Plus von 24,8 Prozent kann der Verein erstmals seit fünf Jahren ein Wachstum aufweisen. Hier zeigt sich die Dynamik der Zahlen: Die Klubs können ihr Publikum nur mit Siegesserien vermehren oder halten. Andernfalls werden Faktoren wie schlechte Infrastruktur, mangelnde Identifikation oder antiquierte Führung beim Publikum schlagend.

 

 

Ernüchterung folgt auch einem Blick in die Schweiz. Der Schnitt beim einstigen EM-Partner beträgt 10.774 Zuseher pro Spiel und ist damit um 40 Prozent höher als in Österreich. Die Lizenz-Auflagen in der Super League sind strenger. So werden von den Vereinen zum Beispiel 8000 Sitzplätze gefordert, in Österreich sind 3000 die Untergrenze. Ab 2015 ist auch eine Rasenheizung Pflicht. (Philip Bauer; derStandard.at; 5.12.2013)

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