Kolumbiens gefahrvoller Weg zum Frieden

2. Dezember 2013, 18:42
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Werner Hörtner: "Kolumbien am Scheideweg"

In Kolumbien geht der Friedensdialog zwischen Regierung und Guerilla, der den seit fünf Jahrzehnten andauernden, blutigen Konflikt beenden soll, in die entscheidende Phase. Vor wenigen Tagen kündigte Präsident Juan Manuel Santos an, dass er im Mai 2014 zur Wiederwahl antreten will.

Damit die von einer Guerillaarmee zur Partei umgewandelten FARC an den davor stattfindenden Parlamentswahlen teilnehmen können, "müsste das Friedensabkommen noch 2013 unterzeichnet werden" schreibt Werner Hörtner in seinem neuen Buch. Hörtner, auf Ö1 als "Urgestein der Lateinamerika-Solidaritätsbewegung in Österreich" bezeichnet, lobt, dass Kolumbien dabei ist, "sich von seinem Ruf als Hort von Drogenhandel und Gewalt zu befreien". Er warnt aber auch, dass das Verhältnis zwischen den Tätern - Drogengangster, Guerilla, Paramilitärs und Staatsmacht - sehr komplex ist.

So seien illegale, aber staatsnahe paramilitärische Verbände bereits 1962 entstanden, Jahre bevor sich ihre Gegner, die politische Linke, zur Guerilla formierte. Als die linken Guerilleros dann begannen, zur Erpressung von Lösegeld Familienangehörige von Drogenbossen zu entführen, brach der Konflikt mit seiner Abfolge von Massakern und Gegenschlägen voll aus.

Detailreich schildert Hörtner frühere Friedensbemühungen. Etliche Guerilleros, die ihre Waffen nieder legten wurden - was für die Zukunft schlimmes befürchten lässt - danach Opfer von Mordanschlägen. Ausführlich befasst sich das Buch mit Expräsident Álvaro Uribe, der von 2000 bis 2010 mit harter Hand regierte und Kolumbien seinen Stempel aufdrückte, obwohl ihm Verbindungen zum Drogengeschäft und zu den Paramilitärs nachgesagt wurden.

Als Ironie der Geschichte begann sein ehemaligen Verteidigungsminister und Amtsnachfolger Santos den Friedensdialog, dem aber, so Hörtner, unbedingt die gerichtliche Aufarbeitung der blutigen Geschichte folgen müsste. (Erhard Stackl, DER STANDARD, 3.12.2013)

Werner Hörtner: "Kolumbien am Scheideweg" Rotpunkt-Verlag Zürich 2013, 291 Seiten, 27,80 Euro

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