Uni Innsbruck erhält mittelalterlichen Münzschatz als Dauerleihgabe

2. Dezember 2013, 14:44
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Experten: Unheimliche Inflation um 1440 - Münzen damals in Massen produziert

Innsbruck - Der 2009 gefundene Münzschatz von Tulfes in Tirol beweist Experten zufolge, dass es um 1440, zur Zeit Herzog Friedrich IV. von Österreich, eine unheimliche Inflation gegeben haben muss. Die von Hobbyarchäologen gefundenen Münzen wurden nun von der Österreichischen Nationalbank gekauft und als Dauerleihgabe an die Universität Innsbruck übergeben. Das wurde am Montag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck bekannt gegeben.

"Die schlechte Legierung der Münzen zeigt, dass diese damals in Massen produziert wurden", erläuterte Helmut Rizzolli vom Institut für Archäologien der Universität Innsbruck. Fast alle der 1.229 gefundenen Münzen würden aus der Münzpresse Meran stammen. Die älteste von ihnen sei vor 1373 geprägt worden. Die meisten Münzen würden jedoch aus der Zeit der Regierung Herzog Friedrichs IV. von Österreich, genannt "Friedl mit der leeren Tasche" stammen, fügte der Wissenschafter hinzu.

Der Herzog als Finanzjongleur

"Friedl war ein Finanzjongleur", sagte Rizzolli. Während seiner Regierungszeit habe es den sogenannten "Münzverruf" gegeben. Dieser schrieb den Bürgern vor, alle alten Münzen gegen neue umzutauschen. "Für sechs alte Münzen mit guter Legierung erhielten die Leute jedoch nur fünf neue Münzen mit schlechter Legierung", so der Wissenschafter. Der Münzfund beweise jedoch, dass diese Vorschrift nicht immer eingehalten wurde, weil sowohl alte, als auch neue Münzen gefunden wurden. Mit den 1.229 "Vierern", silberne Kleinmünzen, hätte sich der Besitzer damals rund 500 Liter guten Wein kaufen können, meinte der Forscher.

Der von Hobbyarchäologen entdeckte Münzfund habe sich als ein großer Glücksfall erwiesen, sagte Rizzolli: "Ein Archäologe hätte in diesem steilen Gelände nie gegraben." Die Münzen sollen nun am Institut für Archäologien weiter untersucht werden. Man erhoffe sich neue Einblicke in die monetären Zustände und den alltäglichen Geldgebrauch in der Zeit um 1440. Wie viel die Österreichische Nationalbank für den Ankauf der Münzen ausgegeben hat, wollte die anwesende Vertreterin der Bank nicht bekannt geben. (APA, 2.12.2013)

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