"Frauen können mit ihrem Körper machen, was sie wollen"

26. November 2013, 20:49
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Élisabeth Badinter und Alice Schwarzer, die bekanntesten Feministinnen Europas, gehen in der Debatte über ein Verbot von Sexarbeit getrennte Wege

Seit Wochen dauert die Debatte über ein Verbot von Prostitution bereits an. Diese wurde nicht zuletzt durch eine von Prominenten unterstützte Kampagne von Alice Schwarzer losgetreten, in der sie Prostitution als "moderne Sklaverei" bezeichnet und in Abrede stellt, dass Prostitution jemals freiwillig sein könnte.

"Stimme nicht mit meiner Freundin überein"

Deutlich gegen diese Position stellte sich die französische Philosophin und nicht minder prominente Feministin Élisabeth Badinter. In einem Interview in der "Frankfurter Allgemeinen" sprach sie sich kürzlich klar gegen Prohibitionsgesetze aus, die die Lage der Prostituierten verschlimmern würden, so Badinter. "Nein, in dieser Frage stimme ich nicht mit meiner Freundin Alice Schwarzer überein. Es muss zwischen dem Kampf gegen mafiöse Zuhälterringe und der Prostitution unterschieden werden." Die Frauen hätten das Recht, mit ihrem Körper zu machen, was sie wollen, so die Philosophin. Durch ein Verbot müssten die Frauen im Verborgenen arbeiten, "ich finde diese Perspektive entsetzlich".

Dabei waren sich Badinter und Schwarzer in einer anderen prominenten feministischen Frage stets einig, nämlich dass das Kopftuch so weit wie möglich verboten werden soll und ein klares Symbol für ein rückständiges Frauenbild sei. In dieser Frage bekräftigten Badinter und Schwarzer ihre Position gern mit der Autorität und den Fachkenntnissen der jeweils anderen.

Weder "Fundi" noch "70er-Jahre-Feminstinnen"

Dass Badinter in der Diskussion Liberalisierung versus Verbot von Sexarbeit nun eine völlig andere Meinung vertritt als Schwarzer, ist auch deshalb interessant, weil gerade in dieser Debatte die Befürworterinnen eines Verbotes gerne unter "70er-Jahre-Feminismus" subsumiert werden. Die so gern angewandte Methode, unterschiedliche Positionen bei frauenpolitischen Fragen als Generationenkonflikt zu inszenieren, bekommt mit der Ansage der Grande Dame des Feminismus aus Frankreich einen Dämpfer.   

Dass die Meinungen der wohl bekanntesten Feministinnen Europas, Alice Schwarzer (71) und Elisabeth Badinter (69), die sich in vielen anderen großen Fragen einig sind, in dieser Diskussion weit auseinandergehen, zeigt: Die unterschiedlichen Positionen bezüglich des gesetzlichen Umgangs mit Sexarbeit sind weder mit "70er-Jahre-Feminstinnen" noch mit "Fundi-Feministinnen" (wie es auf dem jüngsten "Profil"-Cover hieß) zu fassen. (beaha, dieStandard.at, 26.11.2013)

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    Elisabeth Badinter ist im Fall der Prostitution nicht mit ihrer Freundin, Alice Schwarzer, einer Meinung.

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