Ein strittiger Aktiendeal

12. August 2003, 15:17
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Wien – Der umstrittene Privatkauf von VAE-Aktien durch Voest-Chef Franz Struzl geht auf das Jahr 2002 zurück.

25. Juni 2002 Der Voest- Aufsichtsrat genehmigt den Antrag des Voest-Vorstandes, die Voestalpine Eisenbahnsysteme (VAE) übernehmen zu dürfen – vorbehaltlich des Zustandekommens des Vossloh-Ausstiegs bei der VAE. Auch der bereits am 17. Juni vom Vorstand beantragte Preis je VAE-Aktie von 221,47 Euro wird abgesegnet. Eine VAE- Aktie kostet zu diesem Zeitpunkt 123 Euro.

2. Juli Vor dem Voest-Aufsichtsrat referiert Struzl, dass die deutsche Vossloh AG bereits "Bestbieter" beim französischen Weichenhersteller Cogifer sei, was den beabsichtigen Vossloh-Ausstieg bei VAE sehr viel wahrscheinlicher macht. Vossloh hatte jedoch vor kurzem im Standard- Gespräch erklärt, der Deal sei zu diesem Zeitpunkt "noch völlig offen" gewesen.

3. Juli Struzl ordert dennoch 3000 VAE-Aktien, im Wissen, dass er als Kleinaktionär ebenso mit 221,47 Euro abgefunden wird, sollte Vossloh tatsächlich bei VAE aussteigen und die Voest VAE wie geplant komplett übernehmen.

8. Juli Der Vossloh-Aufsichtsrat genehmigt die Übernahme von Cogifer und den Ausstieg bei VAE.

15. Juli Vossloh gibt den VAE-Ausstieg bekannt.

16. Juli Die Voest teilt mit, die VAE zu einem Preis von 221,47 Euro je Aktie zu übernehmen. Am 30. September schließt die Voest den Deal mit Vossloh ab.

Ende März 2003 Nach Ermittlungen der Finanzmarktaufsicht und der Staatsanwaltschaft zahlt Struzl eine Geldbuße von 50.000 Euro, um einer Anklage zu entgehen. Das Verfahren wird eingestellt. Den Gewinn aus dem Aktiengeschäft von 250.000 Euro spendet Struzl für karitative Zwecke. (miba, Der Standard, Printausgabe, 09.08.2003)

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