Auslandskulturbericht nach einjähriger Pause

11. August 2003, 12:56
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Budgetärer Abwärtstrend aufgehalten - Brix will dennoch nicht von Steigerung sprechen

Wien - Nach einjähriger Pause liegt wieder ein eigenständiger Auslandskulturbericht ("austria kultur") vor. Bei dem darin angegeben operativen Budget für kulturpolitische Aktivitäten des Außenministeriums von rund 4,6 Mio. Euro für das Jahr 2002 (2001: 4,36 Mio. Euro) kann man "eigentlich nicht von einer Steigerung sprechen", so der Leiter der Kulturpolitischen Sektion, Emil Brix. Der Abwärtstrend in der Dotation der Auslandskultur sei jedoch aufgehalten worden, heißt es in dem Bericht. 2002 wurde das "Auslandskultur Neu"-Konzept umgesetzt.

Mit den drei Kulturforums-Eröffnungen in Paris, Warschau und insbesondere New York wurde "ein sehr sichtbares Zeichen für das österreichische Selbstverständnis als Kulturnation gesetzt", so Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (V) im Vorwort. Die Auslandskultur nehme für Österreich als Kulturnation eine "zentrale Rolle in der österreichischen Außenpolitik" ein. Die diesjährige Auslandskulturtagung zum Thema "Österreich in einem Europa der Kultur" findet am 4. und 5. September in der Österreichischen Nationalbibliothek und der Sammlung Essl statt.

Musik an erster Stelle

Der Löwenanteil des operativen Budgets, das als Ermessensausgabe auch der generellen dreiprozentigen "Bindung" (d. h. Kürzung) durch den Finanzminister unterliegt, wurde 2002 erneut für die Musik ausgegeben. Dieser Sparte flossen 25 Prozent der Mittel zu, wie das Außenministerium festhielt (im Bericht selbst sind die Angaben der Aufteilungsstatistik fehlerhaft und müssen auf die angegeben Werte korrigiert werden, Anm.). Es folgen Einzelausstellungen (16 Prozent), Buchaktionen und Seminare (je 13 Prozent). Dem Film flossen nicht, wie angegeben, null Prozent, sondern drei Prozent der Mittel zu. Bevorzugte Regionen waren die EU (33 Prozent) und die mittel- und osteuropäischen Länder (30 Prozent).

Erstmals erhielten 2002 alle diplomatischen und konsularischen Vertretungsbehörden einen "wenn auch zum Teil eher geringen" Rahmenbetrag für kulturelle Aktivitäten. Die meisten Mittel, nämlich 2,875 Mio. Euro, wurden von den Kulturforen direkt vergeben. Durch die "Flexibilisierung" im neuen Auslandskulturkonzept hätten die Vertretungsbehörden mehr Möglichkeiten, das Kulturprogramm bei quasi gleich bleibenden Mitteln "reichhaltiger" zu gestalten, so Brix. Durch Sponsoring-Maßnahmen konnten rund 151.500 Euro aufgebracht werden. Die erstmals erfassten "sonstigen Leistungen" von Institutionen, Firmen und Einzelpersonen rund um die Kulturmaßnahmen im Ausland, wie Überlassung von Flugtickets oder Quartieren für Künstler, entsprachen einem Betrag von rund 1,992.000 Euro. Das entspricht fast 40 Prozent des operativen Kulturbudgets.

Inländische Projekte

Auch im Inland gibt es Auslandskultur: In Österreich flossen rund 400.000 Euro in 113 Einzelprojekte, die sich mit auslandskulturpolitischen und außenpolitischen Themenstellungen befassten. Darunter waren etwa eine aserbaidschanische und eine georgische Kulturwoche oder das "Hallamasch Festival der Kultur".

Ein "flexibles Instrument" der Auslandskulturpolitik stehe mit den derzeit 50 Österreich-Bibliotheken in 23 Staaten (vorwiegend im mittel-, ost- und südosteuropäischen Raum) zur Verfügung, die jährlich von 100.000 Menschen benutzt werden - so der Bericht. Einen Schritt in der mittelfristigen Entwicklung der Bibliotheken stellte 2002 die Errichtung eines eigenen Webportals dar. Eine Konferenz zur Standortbestimmung der Österreich-Bibliotheken und ihrer Perspektiven findet unter dem Titel "Chancen kultureller Netzwerke" von 2. bis 4. September in der Hauptbücherei Wien statt. (APA)

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